18.05.2009
Vorwort von Staatssekretär Dr. Josef Ostermayer zur Ausstellung „Krieg 1809 in Karten und Bildern“

Österreich gedenkt heuer auch jener kriegerischen Ereignisse, die vor 200 Jahren in unserem Land stattgefunden haben. Der Versuch, sich dem als Fremdherrschaft empfundenen Regime Napoleons zu entziehen und dessen Einfluss zurückzudrängen, stand am Beginn einer mehrjährigen europaweiten Erhebung, die von Spanien ihren Ausgang genommen hatte. Sie gab den Befreiungsbestrebungen neuen Auftrieb und spiegelte vor allem den Unmut über das vom Kaiser der Franzosen geprägte Herrschaftssystem wider. Auch wenn der Krieg des Jahres 1809 schlussendlich verloren ging, erhielt der Geist des Widerstands gegen Napoleon, der nur Jahre später endgültig abdanken musste, neuen Auftrieb.

Militärische Konfrontationen wurden auf dem ganzen Territorium der heutigen Republik Österreich ausgetragen. Die Kämpfe fanden vor allem im Wiener Raum und in Tirol statt. Auch die Steiermark, Süddeutschland, Kroatien, Dalmatien, Galizien und nicht zuletzt Friaul waren Schauplätze, die heute noch mit dem Gedenken an die kriegerischen Ereignisse verbunden sind. Eine derart weite Ausdehnung der Auseinandersetzung blieb damit auch nicht ohne Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung, da die militärischen Konfrontationen großräumig ausgetragen wurden und weite Teile des Landes mit einbezog.

Eine Sonderstellung nahm der Tiroler Freiheitskampf ein. Alleine der Umstand verdient Beachtung, dass die Befreiung Tirols im Jahr 1809 im Zuge eines Volksaufstandes ohne Hilfe des regulären Militärs realisiert wurde und in dessen Verlauf der Grundstein für den Mythos des Andreas Hofer gelegt wurde. Die zweite bis heute in der Öffentlichkeit präsente kriegerische Auseinandersetzung war die Schlacht von Aspern, bei der die kaiserlich-österreichische Armee dem bis dahin unbesiegten Napoleon die erste Niederlage zufügte – auch wenn das österreichische Heer in der entscheidenden nächsten Schlacht bei Wagram geschlagen wurde.

Nach der endgültigen Niederlage musste Außenminister Johann Philipp Stadion, der den Aufstand gegen das französische Kaiserreich befürwortet hatte, zurücktreten. Er wurde durch Klemens Wenzel Metternich abgelöst, der seinen Sitz im heutigen Bundeskanzleramt, dem damaligen Außenministerium, nahm. Von dort aus trug er zum endgültigen Sturz Napoleons bei und hier beriet im Jahr 1815 auch der Wiener Kongress über die endgültige europäische Friedensordnung. Bis zum heutigen Tag ist der Name Metternich untrennbar mit dem Schicksal des Hauses auf dem Ballhausplatz verbunden, von dem aus er nicht nur die Geschicke Österreichs lenkte, sondern das er auch baulich umgestaltete und mit seiner Familie bewohnte.

Das Österreichische Staatsarchiv hat aus den reichen Beständen des Kriegsarchivs eine Ausstellung konzipiert, die auf eindrucksvolle Weise Archivalien, Karten und Bilder „zu Wort kommen“ lässt. Die Geschichte dieser dramatischen Ereignisse wird darin sehr unmittelbar und anschaulich dargestellt. Besonders danke ich dafür der Leitung sowie den engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Österreichischen Staatsarchivs und des Kriegsarchivs für die Zusammenstellung dieser umfassenden und interessanten Schau, die ein Stück österreichischer Vergangenheit erlebbar macht.

Dr. Josef Ostermayer, Staatssekretär für Medien und Regierungskoordination