23.12.2009
"Ich stehe zur Religionsfreiheit"

"Tiroler Tageszeitung“-Interview mit Bundesministerin Heinisch-Hosek

Tiroler Tageszeitung (TT): Es gibt letzte Refugien für Männer, wo Frauen Berufsverbot haben. Das ist das Priesteramt in der katholischen Kirche, auch die islamische Glaubensgemeinschaft bietet Imam-Funktionen hauptsächlich nur für Männer.

Heinisch-Hosek: Ich stehe zur Religionsfreiheit. Ich werde es sofort begrüßen, wenn Frauen ein Priesterinnenamt bekleiden oder in der islamischen Glaubensgemeinschaft ähnliche Ämter ausüben können. Aber das ist nicht die Aufgabe des Staates. Wir wollen die Frauen in der katholischen Kirche und in der islamischen Glaubensgemeinschaft stärken, ihre Interessen besser durchzusetzen. Die Politik hat sich da aber nicht einzumischen.

TT: Ist der Islam eine Gefahr für die Frauenrechte?

Heinisch-Hosek: Wenn der Islam politisch-fundamentalistisch orientierte Politik betreibt und zum Beispiel Ganzkörperverhüllung als Mittel der Unterdrückung einsetzt, dann schon. Das ist aus frauenpolitischer Sicht und aus demokratischer Sicht zu verurteilen.

TT: Sehen Sie dieses Problem in Österreich?

Heinisch-Hosek: Ich sehe nicht, dass Österreich ein Problem mit dem politisch-fundamentalistischen Islam hat. Es gibt Probleme im Zusammenleben zwischen Österreicherinnen und Österreicher sowie muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Da dürfen wir nicht wegschauen.

TT: Sind Sie wie Alice Schwarzer für das Burkaverbot in Österreich?

Heinisch-Hosek: Ich bin gegen die Ganzkörperverhüllung von Frauen. Das heißt, auch ich spreche mich für ein Burkaverbot aus. Es ist aber derzeit kein Problem in Österreich. Würde es eines werden, würde ich ein Verbot im öffentlichen Raum rechtlich prüfen lassen. Das ist eindeutig ein Mittel der Unterdrückung, wenn sich Frauen so verhüllen müssen, dass man ihr Gesicht nicht sehen kann.

...Was das Tragen von Kopftüchern anlangt, sollen Frauen selbst entscheiden. Ich möchte das nur dann nicht unterstützen, wenn das Kopftuch als Herrschaftssymbol der Männer über die Frau verwendet wird. Aber die Motivation zum Kopftuchtragen ist sehr vielfältig. Da möchte ich den Kontakt und Dialog mit diesen Frauen verstärken. Um Migrantinnen möchte ich mich im nächsten Jahr verstärkt kümmern. Da gehören auch die jungen Mädchen dazu, damit sie nicht mit 14 Jahren aus dem öffentlichen Leben verschwinden und zwangsverheiratet werden.

TT: In der Schweiz haben besonders viele Frauen für ein Minarettverbot gestimmt.

Heinisch-Hosek: Da wurden vor der Abstimmung Plakate mit Minarett und Burka tragenden Frauen affichiert. Feministinnen haben gegen die Unterdrückung der Frauen abgestimmt. In dem Zusammenhang kann ich das nachvollziehen. Die Frauen haben zum Ausdruck gebracht: Wir wollen nicht, dass in der demokratischen Schweiz Frauen keinen gleichen Stellenwert haben.