07.03.2010
Gabriele Heinisch-Hosek: "Werde Frauenquoten erzwingen" (in "Österreich")
ÖSTERREICH: Nicht einmal 10 Prozent der Aufsichtsräte in Top-Firmen sind weiblich ...
Gabriele Heinisch-Hosek: Man kann das nicht länger hinnehmen. Wir brauchen Quoten. Guter Wille, Förderung und Mentoring-Programme allein sind offenbar zu wenig. Männer lassen sich einfach nicht aus Positionen mit lieb gewordenen Privilegien verdrängen. Ich bin mit meiner Geduld am Ende. Frauen haben die bessere Bildung, sind aber absolut unterrepräsentiert in den Entscheidungsetagen. Das muss ein Ende haben.
Österreich: Wie steht es um die Gagen-Transparenz in den Firmen?
Heinisch-Hosek: Wir wollen das noch heuer ins Gleichbehandlungsgesetz aufnehmen. Die Verhandlungen laufen gut. Betriebe ab einer gewissen Größe sollen durchschnittliche Einkommen von Frauen und Männern intern und anonym veröffentlichen. Ich sehe nicht ein, warum sich Betriebe auf Kosten von Frauen nach wie vor Lohnkosten sparen.
Österreich: Müssen Sie im Sinne der verstorbenen Johanna Dohnal härter werden?
Heinisch-Hosek: Ich muss im Sinne der Frauen noch viel unbequemer werden. Mit Freiwilligkeit alleine geht nichts weiter.
Österreich: Zum Frauentag wird die Einkommensschere EU-weit zum Thema?
Heinisch-Hosek: Wir kriegen da den Spiegel vorgehalten, weil wir wieder nur am vorletzten Platz sind.
Österreich: Sind Sie auch für Strafen, wie die EU?
Heinisch-Hosek: Ja, wenn eine Maßnahme nicht greift, muss man Sanktionen angehen. Im ersten Schritt schreiben wir die Einkommenstransparenz einmal gesetzlich fest, um sie überhaupt durchzusetzen. Wenn sich nach zwei, drei Jahren Probebetrieb nichts ändert, muss es Sanktionen geben. Die verlange ich auch in meiner Partei, wenn die Quote nicht eingehalten wird. Selbst wenn mir das am nächsten Parteitag Streichungen einbringen sollte. Das geht alle etwas an.
Österreich: Wie sollen Sanktionen aussehen?
Heinisch-Hosek: In Schweden gibt es Verwaltungsstrafen für Betriebe. Die können bis zu 20.000 Euro pro Firma ausmachen. In Norwegen ist mit der verpflichtenden Quote in Aufsichtsräten die Sanktion verbunden, dass die Firmen im Extremfall von der Börse verschwinden können - auch wenn das noch nie praktiziert wurde.
Österreich: Das wäre in Österreich auch denkbar?
Heinisch-Hosek: Im zweiten Schritt auf jeden Fall. Ich bin bereit, Sanktionen erst später einzuführen. Fallen gelassen werden sie jedenfalls nicht. Ich will auch in Aufsichtsräten eine 40-Prozent-Quote. Da werde ich einen Stufenplan vorlegen.
Interview wurde geführt von: J. Galley