05.04.2012
"Wir müssen etwas weiterbringen" (in: "KURIER")

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek über die Gehaltsunterschiede.

KURIER: Es bewegt sich beim Abbau der Gehaltsunterschiede in Österreich de facto nichts. Warum ist das so?

Gabriele Heinisch-Hosek: Weil offenbar an der Diskriminierung bei den Gehältern festgehalten wird.

KURIER: Bei den Kollektivverträgen ist also alles in Ordnung.

Heinisch-Hosek: Ja. Aber es geht um die Einstufung beim Gehalt, um Zulagen, wer Überstunden macht, wer gefördert wird und mehr. Es gibt etwa genug Männer, die eine Gehaltserhöhung bekommen, weil sie Väter werden. Daher halte ich an meiner Transparenz-Offensive fest: verpflichtende Einkommensberichte; Gehaltsangaben bei Stellenausschreibungen und der Online-Gehaltsrechner.

KURIER: Man könnte Ihnen trotzdem vorwerfen, beim Verringern des Unterschieds zu wenig erfolgreich zu sein.

Heinisch-Hosek: Im Rahmen meiner Möglichkeiten habe ich alles gemacht und werde weiter alles tun. Wir sind in der EU am letzten Platz, wir müssen etwas weiterbringen. Dazu haben sich die Regierung und die Sozialpartner verpflichtet. Und noch etwas: Es wird niemand daran gehindert, freiwillig etwas zu unternehmen, um die Situation zu verbessern.

KURIER: Sie wollen Frauenförderpläne für Betriebe per Gesetz. Warum?

Heinisch-Hosek: Gezielte Maßnahmen in einem solchen Plan können ein Beitrag sein, die Frauenlöhne zu erhöhen. Ich will den Betrieben etwa 30 Maßnahmen anbieten, aus denen sie wählen können.

KURIER:Zum Beispiel?

Heinisch-Hosek:Das geht von der Erhöhung des Anteils weiblicher Lehrlinge über Weiterbildungsangebote bis zu einem elternorientierten Arbeitszeit-und Karenzmanagement oder dem Einsetzen einer oder eines Frauenbeauftragten.

KURIER: Was raten Sie Frauen zum Equal Pay Day?

Heinisch-Hosek: Ich wünsche mir, dass den Frauen dieser Tag bewusst ist und dass sie den nötigen Mut aufbringen, in ihren Abteilungen die Gehälter zu vergleichen und im Fall der Benachteiligung rate ich ihnen, zum Betriebsrat zu gehen und gegen diese Diskriminierung anzugehen.