20.05.2012
Werner Faymann: "Für eine Koalition der Willigen" (in: "Österreich")

Österreich: Warum haben Sie sich kurzfristig zur Teilnahme am NATO-Gipfel entschlossen?

Werner Faymann: Obama ist es ein Anliegen, dass die NATO-Partnerländer hochrangig vertreten sind. Ich komme diesem Wunsch gerne nach, weil er auch deutlich macht, welchen Stellenwert Österreich genießt.

Österreich: Österreich ist ein neutrales Land - damit spielen wir bei internationalen Konflikten doch ohnehin keine Rolle, oder?

Faymann: Österreich spielt mit seiner aktiven Neutralität bei friedenssichernden Maßnahmen wie etwa am Balkan eine wichtige Rolle. Für Österreich heißt Neutralität nicht, sich raushalten und wegschauen.

Österreich: Nach der Rückreise fliegen Sie gleich zum Gipfel nach Brüssel weiter. Was wird dort passieren?

Faymann: Die Themen liegen auf der Hand: Wie können wir die Eurozone stabilisieren, wie können wir zusätzlich zur Budgetkonsolidierung auch Wachstum unterstützen?

Österreich: Frankreichs Präsident Hollande will den Fiskalpakt neu verhandeln. Ist das realistisch?

Faymann: Es geht nicht darum, etwas aufzuschnüren, sondern um sinnvolle Ergänzungen. Wir brauchen beides in Europa: verlässliche Budgetdisziplin und intelligente Investitionen.

Österreich: Sehen Sie Gemeinsamkeiten mit Hollande?

Faymann: Wir setzen uns gemeinsam für eine Transaktionssteuer ein. Hier sollte eine "Koalition der Willigen" voranschreiten. Das werde ich mit Hollande besprechen.

Interview wurde geführt von: I. Daniel