Montag, 15. November 2010

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Rot-Grün in Wien

Fast genau einen Monat nach der Wien-Wahl (10. Oktober) haben sich SPÖ und Grüne auf einen gemeinsamen Koalitionspakt geeinigt und damit den Weg für die erste rot-grüne Regierung auf Landesebene in Österreich freigemacht. Am 12. November präsentierten Wiens Bürgermeister Michael Häupl und seine neue grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou im Rathaus vorerst die Eckpunkte des gemeinsamen Regierungsprogrammes für die nächsten fünf Jahre. Formal musste die Einigung noch von den jeweiligen Parteigremien abgesegnet werden. Die Grünen stimmten am 14. November in einer Landesversammlung mit großer Mehrheit für das Koalitionsabkommen, die SPÖ stimmte einen Tag später in ihrem größten Gremium, dem "Wiener Ausschuss" über das Papier ab. Im Anschluss daran war im "Roten Salon" des Rathauses die feierliche Unterzeichnung des Regierungsabkommens angesetzt. Der genaue Termin für die konstituierende Gemeinderatssitzung war zu Redaktionsschluss noch nicht veröffentlicht. Geplant ist sie jedenfalls für Ende November.

Die gebürtige Griechin Maria Vassilakou (41), bisher Klubobfrau der Wiener Grünen, ist die erste Wiener Vizebürgermeisterin mit Migrationshintergrund. Sie übernimmt im neuen Wiener Stadtsenat die Agenden Verkehr, Stadtplanung, Klimaschutz und Energie sowie Bürgerbeteiligung. Neuer Klubchef der Wiener Grünen wird der nicht-amtsführende Stadtrat David Ellensohn.

In der Riege der SPÖ-Stadträte wird es keinen Wechsel geben, mit Ausnahme des jetzigen Verkehrsstadtrates Rudolf Schicker, der seinen Posten für Vassilakou räumen muss. Renate Brauner bleibt Vizebürgermeisterin und Finanzstadträtin. Der künftige Stadtsenat wird von derzeit 13 auf 12 Mitglieder verkleinert. Damit stehen der SPÖ sieben (bisher acht), der FPÖ drei Stadträte, Grünen und ÖVP jeweils ein Stadtrat zu.

Zentrale Maßnahmen plant Rot-Grün in Wien in den Bereichen Integration, Bildung, Klimaschutz und Armutsbekämpfung. Vorgesehen sind etwa im Integrationsbereich eine "Wiener Charta des Zusammenlebens" und ein "Wiener Vertrag", der die Rechte und Pflichten von Neuzuwanderern festlegt. Bis 2013 soll ein neues Verkehrskonzept erarbeitet werden, das unter anderem die Reduktion des Individualverkehrs sowie den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und der Radwege vorsieht.

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Gesundheitsminister Stöger will bundesweite Spitalsreform

Um die ständig steigenden Kosten im Spitalsbereich einzudämmen, will Gesundheitsminister Alois Stöger die Rahmenbedingungen für Österreichs Spitäler völlig ändern. Angesetzt wird sowohl bei der Verteilung der Kompetenzen als auch bei der Zuteilung von Finanzmitteln: Demnach sollen die Mittel für Krankenhäuser künftig gebündelt und nur dann an die Länder weitergegeben werden, wenn diese bestimmte Kriterien erfüllen. Die entsprechenden österreichweit einheitlichen Ziele soll der Bund per Gesetz vorgeben. Bei Nichterfüllung dieser Ziele würden die Länder weniger Geld erhalten als bisher, so Stögers Plan.

Neun unterschiedliche Bundesländergesetze würden auch ebenso viele unterschiedliche und damit teure Leistungsangebote und Regelungen für Krankenanstalten sowie unterschiedliche Selbstbehalte bedeuten, begründet Stöger seinen Vorstoß für ein bundesweites Spitalsgesetz. Der Bund wäre für die gesamte Spitalsplanung inklusive Verordnungen zuständig, die Ausführung bliebe bei den Ländern, erklärte Stöger. Der Bundesgelderfluss an die Spitäler sollte zudem nicht mehr automatisch erfolgen, sondern nur unter bestimmten Voraussetzungen. Immerhin würden Krankenkassen und Bund 65 Prozent der Kosten finanzieren, daher wolle man die künftige Entwicklung auch über eine gleichermaßen qualitative wie quantitative "Zielsteuerung" mitgestalten – etwa Bedarfserhebung und Vorgaben für einzelne Stationen, Standards oder Synergien herstellen. Zu Standortschließungen würde es nicht kommen, betonte der Gesundheitsminister, dessen Konzept nun zur breiten Diskussion mit Parteien, Ländern und Interessenvertretern anregen soll.

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Sonderkommission (SOKO) Ost senkt Kriminalität

"Die SOKO Ost zeigt Wirkung, der konsequente Fahndungsdruck senkt die Kriminalität", betonte Innenministerin Maria Fekter am 28. Oktober anlässlich der Evaluierung einer bundesländerübergreifenden Großaktion der SOKO Ost in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. Zwischen 1. Juli und 31. Oktober seien insgesamt 1.644 Personen festgenommen worden, 436 Tatverdächtige habe man auf frischer Tat ertappt, etwa bei Einbrüchen oder Fahrzeugdiebstählen. Wegen illegaler Migration habe es 1.178 Festnahmen gegeben, aus verwaltungspolizeilichen Gründen seien 30 Personen verhaftet worden, resümierte Fekter. Der erhöhte Fahndungsdruck störe kriminelle Strukturen, so Fekter.

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Bundespräsident Fischer zu Besuch in Südostasien

Seine ursprünglich von 7. bis 12. November geplante Reise in die südostasiatischen Länder Malaysia, Indonesien und Singapur musste Bundespräsident Heinz Fischer wegen der Aschewolke des indonesischen Vulkans Merapi abbrechen und kehrte am 10. November vorzeitig aus Jakarta zurück.

Programmgemäß verlief hingegen Fischers Staatsbesuch in Malaysia, der ersten Station seiner Südostasien-Visite. Begleitet wurde er von seiner Frau Margit und einer großen Delegation, der neben anderen Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner und Gesundheitsminister Alois Stöger angehörten. Gesprächspartner waren in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur König Mizan Zainal Abidin und Vizepremier Muhyiddin Yassin.

Fischer sprach sich für forcierte Wirtschaftsbeziehungen zu den südostasiatischen Ländern aus. Österreich sei zwar in China, Japan und Indien stark engagiert, müsse jedoch auch den "aufstrebenden Wirtschaftsraum" Südostasien erschließen, sagte Fischer vor Journalisten. Gute Chancen für österreichische Betriebe bestünden vor allem in den Bereichen Spitals-, Umwelt- und Infrastrukturtechnologie. Die Wirtschaftsbeziehungen zu Malaysia seien "ausgezeichnet", zuletzt habe das Handelsvolumen rund 650 Millionen Euro betragen.

In seiner Rede vor dem malaysisch-österreichischen Wirtschaftsforum unterstrich der Bundespräsident, dass Österreich, welches die demnächst beginnenden Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Malaysia stets befürwortet habe, aufgrund seiner zentralen Lage für Malaysia als "Tor zu Mittel- und Osteuropa" interessant sei.

Beide Seiten betonten die Brückenfunktion Malaysias zwischen Islam und dem Westen. Fischer würdigte Malaysia und Indonesien als moderate islamische Länder, die Fanatismus und Terrorismus eine Absage erteilt hätten und andere Religionen zulassen würden. In Österreich sei der für den gegenseitigen Respekt "absolut notwendige" interreligiöse Dialog "tief verwurzelt", betonte Fischer.

Auch in Indonesien waren der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen und der Dialog der Religionen zentrale Themen. In Jakarta, Hauptstadt des bevölkerungsreichsten muslimischen Landes, traf Fischer mit seinem indonesischen Amtskollegen Susilo Bambang Yudhoyono zusammen. Beide Seiten unterstrichen, die guten bilateralen Beziehungen besonders auf dem Wirtschaftssektor (Umwelt, Infrastruktur, Gesundheit) forcieren zu wollen.

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Ukrainischer Premier Asarow bei Bundeskanzler Faymann

Der ukrainische Regierungschef Mykola Asarow und Bundeskanzler Werner Faymann haben am 8. November bei einem Arbeitsgespräch in Wien Möglichkeiten einer intensiveren bilateralen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit erörtert. Weitere Themen waren die Beziehungen der Ukraine zur EU sowie Infrastrukturprojekte im Rahmen der Fußball-Europameisterschaft "EURO 2012", die von der Ukraine und Polen ausgetragen wird. Anlass für Asarows Arbeitsbesuch in Wien war dessen Teilnahme am Vienna Economic Forum (siehe Wirtschaft).

Im Vorfeld der "EURO 2012" in Polen und der Ukraine haben am 4. November in Wien auch Innenministerin Maria Fekter und der stellvertretende polnische Innenminister Adam Rapacki eine enge bilaterale Kooperation im Sicherheitsbereich vereinbart.

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Österreich verlängert UNO-Einsätze des Bundesheeres

Die Bundesregierung hat am 9. November die UNO-Einsätze des Bundesheeres unter anderem im Kosovo, in Bosnien und am Golan bis Ende 2011 verlängert. Österreich liege mit über 1.000 Soldaten im EU-Spitzenfeld, betonte Verteidigungsminister Norbert Darabos. Schwerpunkt der österreichischen Sicherheitspolitik bleibe der Balkan.

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Außenminister Spindelegger bei Donauraum-Konferenz in Bukarest

Gemeinsames Ziel sei es gewesen, den Donauraum zu einem gesamteuropäischen Anliegen zu machen – was auch gelungen sei. Außenminister Michael Spindelegger zeigte sich am 8. November beim "Danube Summit" in Bukarest hoch erfreut, dass aus dieser österreichisch-rumänischen Idee nunmehr ein "europäisches Zukunftsprojekt wurde". Dieses jüngste Treffen bilde einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zu einer gemeinsamen EU-Strategie für den Donauraum, so Spindelegger. Erstmals seien von Anfang an alle Staaten der Region, egal ob EU-Mitgliedstaat oder nicht, in den Entstehungsprozess eingebunden gewesen. Eckpunkte der Strategie sind laut Spindelegger eine verbesserte Transport- und Infrastrukturverbindung, der nachhaltige Schutz des Ökosystems sowie die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit.

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Kanzler Faymann: Sparprogramme dürfen Wachstum nicht gefährden

Am diesjährigen 7. Vienna Economic Forum in der Raiffeisenzentralbank in Wien haben am 8. November Vertreter aus 44 Ländern Ost- und Südosteuropas teilgenommen, darunter der ukrainische Premier Mykola Asarow und Bulgariens Energieminister Trajtscho Trajkow.

Bundeskanzler Werner Faymann betonte in seiner Rede, dass die Partnerschaft mit Ländern aus der Region für die nächste Generation entscheidend sein würde. Dieser konsequent geführte Dialog sei angesichts der unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Gegebenheiten in den süd- und südosteuropäischen Ländern wichtig, um extremen Kräften entgegenwirken und Gewalt im Keim ersticken zu können. "Wer diese Partnerschaften leichtfertig aufgeben will, schadet dem europäischen Friedensprozess", so Faymann.

In der Krise dürften Sparprogramme keine Kürzungen in jenen Bereichen zur Folge haben, die den Aufschwung sichern würden – eine Forderung Faymanns, die auch vom Chef der Raiffeisenbank International (RBI), Herbert Stepic, vollinhaltlich unterstützt wurde. Man müsse den Lebensstandard absichern und die soziale Ausgewogenheit berücksichtigen. Die Kaufkraft der Bevölkerung und damit das Wirtschaftswachstum dürften nicht zerstört werden, unterstrich der Bundeskanzler.

Deshalb sei in erster Linie bei Doppelgleisigkeiten in der Verwaltung und bei Förderungen anzusetzen. Allerdings würden die Einsparungen in Österreich im Durchschnitt nur 1,7 Prozent betragen, während andere Länder ihre Ausgaben um 4 bis 5 Prozent oder gar 15 Prozent einschränken müssten. Keinesfalls dürfe man bei Bildung, Forschung und Entwicklung sparen, denn eben das hätte unabsehbare Folgen für Kaufkraft und künftiges Wachstum, sagte Faymann.

Trotz beispielhaftem Euro-Schutzschirm in Höhe von 700 Milliarden Euro fehle in Europa "noch immer eine entsprechende Finanzmarktarchitektur. Es brauche eine starke europäische Rating-Agentur als Kontrollmechanismus".

Österreich habe sich schon bisher als verlässlicher Partner in Europa bewährt, weshalb er, Faymann, eine "gute Basis" sehe, die künftigen Herausforderungen zu bewältigen.

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Österreich wächst stärker als Deutschland und EU

Österreichs Wirtschaft ist im Sommer kräftiger gewachsen als jene Deutschlands und der Eurozone. Im Vergleich zum Vorquartal wuchs das BIP (Bruttoinlandsprodukt) im dritten Quartal um 0,9 Prozent. Laut bisher vorliegender Zahlen wies Österreich damit gemeinsam mit der Slowakei die drittgrößte BIP-Steigerung hinter Finnland (+1,3 Prozent) und Tschechien (+1,1 Prozent) gegenüber dem Vorquartal auf. Deutschland erreichte nur ein Plus von 0,7 Prozent, der Euroraum und EU schafften nur 0,4 Prozent.

Im Jahresabstand erwies sich allerdings Deutschland, die größte europäische Volkswirtschaft, mit +3,9 Prozent neuerlich als Konjunkturlokomotive. Die zweitgrößte Volkswirtschaft, Frankreich, erreichte nur 0,4 Prozent Wachstum im Quartalsabstand und 1,8 Prozent Zuwachs gegenüber dem Vorjahr.

Österreichs Wirtschaftsleistung (BIP) stieg im Jahresabstand laut Schnellschätzung des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) vom 12. November erneut um 2,4 Prozent. Die EU-27 legten laut Eurostat um 2,1 Prozent, der Euroraum um 1,9 Prozent zu. In Griechenland, dem EU-Schlusslicht, schrumpfte die Wirtschaft gegenüber 2009 um 4,5 Prozent, im Quartalsabstand um 1,1 Prozent. Daten aus Irland fehlen noch.

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Metaller: Plus 2,3 Prozent bei Ist-Löhnen

Die 165.000 Beschäftigten in der Metallindustrie bekommen rückwirkend mit 1. November 2,5 Prozent mehr Mindestlohn, die Ist-Löhne legen um 2,3 Prozent zu. Weiters gibt es einen Mindestbetrag von 45 Euro, wodurch das Gehaltsplus bei den untersten Einkommensschichten bis zu 3 Prozent beträgt. Der Mindestlohn steigt leicht auf 1.524 Euro. Florierende Unternehmen zahlen einen weiteren Einmal-Betrag von 50 bis 150 Euro, abhängig vom Betriebsergebnis. Die Lohnabschlüsse der Metaller gelten als richtungsweisend für die Lohnverhandlungen der anderen Branchen.

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KMU starkes Rückgrat der Wirtschaft

Laut "Mittelstandsbericht 2010" des Wirtschaftsministeriums waren 2009 in Österreich rund 299.000 KMU aktiv, das sind 99,6 Prozent aller Unternehmen. Erwirtschaftet wurden zuletzt Nettoumsätze von insgesamt 405 Milliarden Euro sowie eine Bruttowertschöpfung von rund 99 Milliarden Euro. Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lag bei 1,8 Millionen. Im europäischen Vergleich zeigte sich zudem ein überdurchschnittlich hoher Frauenanteil von 35 Prozent. Jedes dritte Unternehmen wird von einer Frau geführt, in der EU-27 liegt dieser Anteil bei 30,2 Prozent.

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Brecht auf Wiener Bühnen: Erstaunliche Lebendigkeit eines Totgesagten

Brecht sei tot, ließen noch bis vor kurzer Zeit hierzulande Regisseure auf die Frage verlauten, warum sie keines seiner angeblich marxistisch platten, ideologiebefrachteten Stücke inszenierten. Wie rasch sich Zeiten und Sichtweisen doch ändern: Internationale Bankenkrise, astronomische Gehälter und Abfertigungen für Spitzenmanager, nahezu täglich publik werdende haarsträubende Finanztransaktionen und Korruptionsfälle, Verlust scheinbar sicherer Arbeitsplätze, soziale Gefährdung auch vieler gut qualifizierter Menschen, von jenen in weiten Teilen einer unterentwickelten Welt gar nicht zu reden, Erosion menschlicher Bindungen, Hinwendung zu diffusen Heilslehren, etc. – kurz gesagt: ein Auseinanderdriften von Reich und Arm in einer globalisierten Welt – all dies hat offensichtlich hierzulande die Reanimation des aus Augsburg stammenden Stückeschreibers Bertolt Brecht (1898-1956) bewirkt, des neben der Wiener Autorin Elfriede Jelinek (geboren 1946) sozialkritisch radikalsten deutschsprachigen Schriftstellers.

Die europäische Kulturhauptstadt Linz 09 leitete im Linzer Landestheater mit gleich zwei Brecht-Aufführungen offenbar ein Revival ein: mit dem "Guten Menschen von Sezuan", inszeniert von dem in Singapur aufgewachsenen Chinesen Ong Keng Sen, der schon 2005 im Wiener Schauspielhaus mit einem "Kaukasischen Kreidekreis" hervorgetreten war, und ein "Im Dickicht der Städte" des erfahrenen Brecht-Regisseurs Matthias Langhoff (geboren 1941). Beides überragende Regie-Leistungen, die damals von der österreichischen Presse kaum gewürdigt wurden.

Im Theater an der Wien war nur zweimal(!) Mitte Oktober des Jahres Kurt Weills und Bertolt Brechts "Mahagonny Songspiel" (1927) und das Ballet chanté "Die sieben Todsünden" (1933) zu sehen, in jener Umsetzung, die 2009 am Pariser Théâtre des Champs-Élysées unter seinem damaligen Direktor und jetzigen Wiener Staatsopernchef Dominique Meyer herausgekommen ist. Regie führte in Paris und auch jetzt in Wien Juliette Deschamps. In dem von Nelson Wilmotte kubistisch gestalteten Bühnenbild irrte die nach dem Glück suchende Anna herum, deren Träume von einer brutalen und zugleich bigotten Umwelt so verformt wurden, dass ihre schlussendliche Realisierung wie Hohn anmutet.

Angelika Kirchschlager sang die Anna in beigem Ledermantel und mit schwarzer Ponyfrisur nach Weills Intentionen opernhaft und jazzig – mit einer Hingabe, die Vergleiche mit berühmten Darstellungen, etwa Lotte Lenyas oder Gisela Mays, nicht zu scheuen brauchte. Auch die anderen Sänger und Sängerinnen wie Simeon Esper, Yves Saelens, Holger Falk, Catherine Hunold und Graeme Broadbent waren ideale Interpreten von Weills/Brechts bitteren Wahrheiten.

Das ORF-Radio-Symphonieorchester unter Walter Kobéra setzte die Musik von Walzer über Foxtrott, Marsch, Shimmy bis zur Tarantella kongenial um - mit jazzigen Klängen hat dieses Spitzenorchester ohnehin lange Erfahrung. Der ORF übertrug am 6. November auf seinem Radiosender "Ö1" diese fulminante Aufführung.

Im Wiener Burgtheater war über zehn Jahre kein Brecht zu sehen. Seit 30. Oktober wird hier die Inszenierung der "Heiligen Johanna der Schlachthöfe" des deutschen Regisseurs Michael Thalheimer gezeigt, zwiespältig von der Kritik aufgenommen, vom Publikum heftig akklamiert.

Brecht schrieb "Die Heilige Johanna der Schlachthöfe" 1929/30 in Berlin. Uraufgeführt wurde das Stück erst im April 1959 am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg – drei Jahre nach dem Tod des Autors und mit Brechts Tochter Hanne Hiob in der Hauptrolle.

Der Inhalt des Stücks: Im Fleischhandel Chicagos verfallen um 1900 die Preise durch Überproduktion. Der Fleischkönig Pierpont Mauler zieht sein Geld aus dem Geschäft. Seine Anteile übernimmt Cridle unter der Bedingung, dass der Konkurrent Lennox niedergerungen wird. Trotzdem müssen die Mauler-Cridleschen Fabriken wegen der Krise die Tore schließen. Hunderttausende Arbeiter verlieren ihre Jobs – sie mischen im Geschehen als monolithischer mächtiger Chor mit.

Johanna Dark, eine Heilsarmeesoldatin der "Schwarzen Strohhüte", kann das wachsende Elend der hungernden Arbeiter nicht aufhalten. Sie wendet sich an Mauler um Hilfe, der ihr beweisen will, dass die Armen ihr Unglück durch ihre Schlechtigkeit selbst verschuldet haben. Johanna erkennt aber auf dem Schlachthof, dass die Menschen böse und verderbt sind, weil sie arm sind. Als der Fleischpreis so niedrig ist, dass er kaum noch fallen kann, steigt Mauler wieder in das Geschäft ein und kauft alles Fleisch und Vieh auf. Johanna begreift zu spät, dass Maulers erneute Monopolstellung die Not in kurzer Zeit vergrößern muss. Sie solidarisiert sich mit den Arbeitern. Doch als ein Generalstreik mit dem Aufruf zur Gewalt vorbereitet wird, verrät sie, Anhängerin der Gewaltlosigkeit und Opfer falscher Informationen, ihre Verbündeten. Der Streik wird niedergeschlagen. Ausgebrannt und lungenkrank bricht Johanna zusammen, zu spät sieht sie klar: "Die aber unten sind, werden unten gehalten, damit die oben sind, oben bleiben". Noch härter sagt sie: "Darum, wer unten sagt, dass es einen Gott gibt, und ist doch keiner sichtbar, und kann sein unsichtbar und hülfe ihnen doch, den soll man mit dem Kopf auf das Pflaster schlagen, bis er verreckt ist". Aber sie spricht ins Leere, niemand hört ihr wirklich zu.

Die 25-jährige Johanna Dark stirbt "im Dienste Gottes, Streiterin und Opfer!" Alle säuseln Frommes, auch Mauler, einer Kanonisierung Johannas steht nichts mehr im Wege und nützt den Kapitalisten und den Pfaffen.

Michael Thalheimer hat Brechts Stück essentiell inszeniert, wuchtig wie ein antikes Drama. Die Schlachthofbühne (Bildner: Olaf Altmann) ist kahl und grau, im Hintergrund schwingt ein Fleischklumpen wie ein Pendel. Die Büchsenfleischproduzenten und -manager kämpfen, schwitzen, ringen berserkerhaft, miteinander, gegeneinander: Tilo Nest als schmieriger Fleischkönig Mauler, Roland Koch als fetter und glatter Bürokrat, Oliver Masucci als Klischee eines ewig sonnengebräunten Managers.

Unangenehm, weil arm und böse: Regina Fritsch als Witwe eines im Schlachthof tödlich verunglückten Arbeiters.

Sarah Viktoria Frick wirkt als Johanna anfangs naiv, an das Gute in allen Menschen glaubend. Allmählich schärfer sehend, gewinnt sie Konturen, wird mit ihrer geistigen Ausstrahlung Maulers Widerpart und liefert ihm gleichrangige Gefechte.

Im Übrigen wurde im Rahmen der 11. Nestroy-Gala am 8. November im Wiener Burgtheater Sarah Viktoria Frick als beste Nachwuchsdarstellerin ausgezeichnet.

Von der momentanen Brecht-Hausse ist kein Ende abzusehen: Am 19. November hat im Wiener Volkstheater "Herr Puntila und sein Knecht Matti", die Parabel über Herr- und Knechtschaft, Premiere.

Webtipp: Burgtheater":http://www.burgtheater.at, Volkstheater

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SEZUAN.GUT.MENSCH: das bernhard ensemble denkt Brecht brillant weiter

Das nach Thomas Bernhard benannte "bernhard ensemble" wurde 1997 von Grischka Voss und Ernst Kurt Weigel gegründet. Das Team von Schauspielerinnen und Schauspielern, Musikern, Autoren und Bildenden Künstlern möchte "wichtige und aktuelle Aspekte unserer Zeit auf der Bühne thematisieren". Ein fixer Kreis von Künstlern schien von Anfang an wünschenswert, um eine entsprechende Formensprache identifizierbar weiterzuentwickeln. 2006 wurde im 7. Wiener Gemeindebezirk, Kirchengasse 41, eine fixe Spielstätte gefunden. Das bernhard ensemble ist "zutiefst davon überzeugt, dass nur im Bereich des Freien Theaters wirklich unabhängige Aussagen und Entwicklungen möglich sind". Die ensemble-Mitglieder – vor allem Voss und Weigel - verfassen die Stücke selbst oder adaptieren die Werke klassischer und zeitgenössischer Autoren für ihre Zwecke: "Wir verstehen uns als sozialkritische Beobachter, die öffentliches Bewusstsein und Verständnis schaffen wollen, für Verdrängtes, Unterdrücktes und Verborgenes". Diese Programmatik exemplifiziert die Theatertruppe seit vielen Jahren – etwa auch anhand von Texten Herman Melvilles, Dario Fos oder Arthur Schnitzlers.

An vielen Litfasssäulen und Plakatwänden in Wien sticht derzeit ein von der Schauspielerin Kristina Bangert hervorragend gezeichnetes knallgelbes und rotes Plakat ins Auge: "SEZUAN.GUT.MENSCH. nach B. Brecht".

Gezeigt wird nicht sein klassisches Stück, wo die Götter ins chinesische Sezuan kommen, um gute Menschen zu finden, die ein menschenwürdiges Dasein leben können, damit die Welt so bleibe, wie sie ist. Der einzige gute Mensch, den sie schließlich finden, ist die Hure Shen Te, die allerdings nur in der Maske des bösen Vetters Shui Ta überleben kann, nachdem sie dem stellungslosen Postflieger Yang Sun in Liebe verfallen ist. Schwanger geworden kann sie in ihren alten Beruf nicht mehr ausüben, mit der Entlarvten kennt die getäuschte Gesellschaft kein Erbarmen. Die Götter erteilen dem einzigen guten Menschen, der ihnen begegnet ist, die Erlaubnis, weiterhin seine böse Seite zu zeigen, damit er überleben kann und machen sich aus dem Staub.

Diese berühmte Geschichte dient den Schauspielern des bernhard ensembles nur als Grundgerüst. Auf ihm denken und spielen sie Brecht in die Wiener Gegenwart. Losgelöst von seiner Textvorlage entwickeln sie frei improvisatorisch eine heutige Bühnenparabel:
Yang (quasi Shen Te) ist hier einverständnisvoller weicher Stricher, Yin seine harte geschäftstüchtige Schwester. Dann gibt es neben dem attraktiv-lässigen blinden Flieger zum Beispiel den Mann mit "Migrationshintergrund" vom Balkan, eine Schwangere aus der Favoritener Per-Albin-Hansson-Siedlung, die genau weiß, wie man diverse Sozialleistungen lukriert, weiters eine über das allgemeine Weltenelend quasselnde Tussi; einen Neonazi, der hinter seinen brutalen Sprüchen ungeheuer einsam wirkt und einen kleinen zarten Gott, der angesichts dieser Menschen zunehmend verzweifelt.

Diese Aufführung ist wohl die derzeit interessanteste Brecht gewidmete in Wien – sie hätte ihm garantiert gefallen. Zweck von sozial relevanter Kunst müsse es sein, "verwickelte Vorgänge" sichtbar zu machen, meinte er. Und genau das macht das bernhard ensemble mit dieser Aufführung, die kaum dichter gelingen konnte. Ein Glücksfall.

Webtipp: OFF-Theater

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Benefizfest: 25 Jahre Gesellschaft für bedrohte Völker-Österreich (GfbV-Ö)

Am 5. November wurde im 3-raum-anatomietheater in Wien im Rahmen des Benefizfestes "Nyengida" der Gesellschaft für bedrohte Völker-Österreich (GfbV-Ö) gedacht, die heuer ihr 25jähriges Bestehen feiert. "Nyengida" heißt "Fest" in der Sprache des tansanischen Barabaig-Volkes. Der Abend wurde von Theaterleiter Hubsi Kramar moderiert. Es lasen unter anderen die türkisch-kurdische Autorin Nuran Ekingen und die Kongolesin Espérance F. Ngayibata Bulayumi. Weiters wurden Ausschnitte aus "Little Alien" gezeigt, einem Dokumentarfilm der bosnisch-österreichischen Filmemacherin Nina Kusturica, in dem Teenager-Flüchtlinge aus weltweiten Krisenregionen zu Wort kommen. Die deutsch-amerikanische Künstlerin und Menschenrechtsaktivistin Rebecca Sommer bot Kurzvideos über den Kampf der Indigenen Brasiliens gegen das Belo-Monte-Staudamm-Projekt. Aus Sarajevo kam ein Trio um die fulminante Sängerin Nataša Mirković-De Ro.

Nach dem Bürgerkrieg in Nigeria war die deutsche GfbV Ende der 60er Jahre gegründet worden, 1985 wurde die österreichische Sektion mit gleicher Zielsetzung geschaffen. Die GfbV engagiert sich für unterprivilegierte Gruppen und Minderheiten. Die Aktionsformen – oft auch gegen als fragwürdig empfundene Regierungsmaßnahmen und Konzernbeschlüsse gerichtet – reichen dabei von Unterschriftensammlungen und Information von Politikern bis zu Demonstrationen. Auch kommt es zu regelmäßigen Spendensammlungen für kleinere Projekte.

Neben laufender Öffentlichkeitsarbeit durch Presseaussendungen und Mitgliederinformationen sind über die Jahre besonders die Zeitschrift "Bedrohte Völker" und auch der Bildkalender "Lebenszeichen" zu einem Markenzeichen der Gesellschaft in Österreich geworden; GfbV-Österreich, 1030 Wien, Untere Viaduktgasse 53/7A, Telefon/Fax: 0043 1 503 49 90
office@gfbv.at, PSK 7.238.909

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Wiener Kammeroper: Joseph Haydns Meisterwerk "L’isola disabitata"

Für das Marionettentheater im Schloss Eszterháza (heute: Fertöd/Ungarn) hatte Joseph Haydn 1779 eine "Azione teatrale" geschaffen, ein höfisches Feststück, das eine Ausnahme unter seinen Opernpreziosen bildet. Sie wurde am Namenstag von Fürst Nikolaus am 6. Dezember uraufgeführt und trug den seltsamen Titel "L’isola disabitata" ("Die unbewohnte Insel"). Das Libretto schrieb der in Rom geborene Autor Pietro Metastasio, seit 1729 als Hofdichter (Poeta Cesareo) am Wiener Kaiserhof wirkend – also einer unserer Bundespressedienst-Ahnen.

In seinem existenzialistisch anmutenden Stück widmet sich Haydn einer Urgewalt – der Liebe. Die junge Costanza (Eleni Voudouraki, Mezzosopran) und ihre jüngere, noch kindliche Schwester Silvia (Chiara Skerath, Sopran) meditieren melancholisch über das Leben: Costanza, von ihrem Bräutigam verlassen – der schuldlos war, wie sich später herausstellt - rät Silvia von Männern ab, um sie vor Verletzungen zu schützen. Da tauchen plötzlich zwei dieser Spezies auf – der blonde Enrico (Sebastian Huppmann, Bariton) und dann auch noch der schwarzgelockte Gernando (Juraj Hollý, Tenor), der verschollene Bräutigam.

Silvia, völlig unerfahren, verliebt sich sofort in Enrico, ihre Gefühle machen sie blind. Enrico erkennt aber das Ausmaß ihrer Passion nicht, weil er vor allem von sich selbst und seiner Rolle als überlegener Helfer Gernandos berauscht ist. Gernando wiederum ist besessen von dem Wunsch, Costanza wieder zu gewinnen, erkennt aber den emotionalen Schaden nicht, den er, vielleicht auch unbewusst, angerichtet hat.

Vier Menschen auf einer unbewohnten, wüsten Insel mit unterschiedlichen Verblendungen, mit Obsessionen, die einsam machen. Weder ein Duett noch ein Terzett kommt vor, nur eine Kette von Arien, eine schöner und inniger als die andere. In ihnen öffnen diese Menschen für einen Augenblick ihre Seelen. Am Schluss erklingen vier Stimmen doch zusammen. Ob sie zueinander finden, bleibt offen.

Nur ganz selten wurde das Stück später noch gezeigt – etwa 1909 an der Wiener Hofoper. 2009 ist von dem außergewöhnlichen Werk eine kritische Urtext-Ausgabe erschienen, auf der auch die Aufführung in der Wiener Kammeroper basiert. Die Sängerinnen und Sänger sind überragend, das Orchester der Kammeroper unter Daniel Hoyem-Cavazza bringt die bewusst karge Instrumentierung zum Blühen.

Webtipp: Wiener Kammeroper

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Andrea Fischbacher und Jürgen Melzer Sportlerin und Sportler des Jahres 2010

Im gewohnt glanzvollen Rahmen fand am 3. November wieder die Lotterien-Gala "Nacht des Sports" in der Event Pyramide Vösendorf statt. Bei der Wahl zu den Sportlerinnen und Sportler des Jahres durch die österreichische Sportjournalistik setzten sich heuer einerseits manche Favoriten durch, andererseits gab es durchaus auch einige Überraschungen. So konnte Sportminister Norbert Darabos dem Tennis-Ass Jürgen Melzer, der heuer mit seinem Semifinaleinzug bei den French Open, dem Wimbledon Sieg im Doppel und dem Triumph beim Wiener Stadthallenturnier für Furore sorgte, für viele Sportfans nicht ganz unerwartet die Trophäe zum "Sportler des Jahres" überreichen. Darabos bei der Preisübergabe: "Jürgen Melzers Leistungen zählen zusammen mit den Olympischen und Paralympischen Spielen 2010 in Vancouver zu den absoluten Highlights des Sportjahres 2010". Folgerichtig wurde auch Super-G Olympiasiegerin Andrea Fischbacher zur Sportlerin des Jahres gekürt.

Bei den Behindertensportlern entschieden sich die Sportjournalisten für die doppelte Paralympics-Siegerin Claudia Lösch und den Europameister und Weltrekordler im Kugelstoßen Georg Tischler. Sieger in der Kategorie "Special Olympics" wurde der dreifache Goldmedaillengewinner Thomas Praxmarer. "Gerade die Erfolge unserer Sportlerinnen und Sportler mit Handicap sind ein Beweis für die ungeheure Vielfalt des Sports in Österreich", so Darabos weiter. "Ich gratuliere unseren Behindertensportlerinnen Behindertensportler wirklich sehr herzlich zu ihren unglaublichen Leistungen."

In der Kategorie Aufsteiger des Jahres konnte der erst fünfzehnjährige Golfer Matthias Schwab die Wahl für sich entscheiden. Mannschaft des Jahres wurde in einem äußerst starken Kandidatenfeld das ÖSV-Team der Team-Olympiasieger in der Nordischen Kombination: Felix Gottwald und die Heeressportler Mario Stecher, Bernhard Gruber und David Kreiner.

Die Stimmung auf den Punkt brachte Ski-Sprung Legende Anton Innauer, der für sein sportliches Lebenswerk den Special Award verliehen bekam: "Ich habe heute wieder einmal gesehen, dass dieses sportbegeisterte Umfeld eine Familie ist". Am Ende der Veranstaltung zog Sportminister Darabos ein äußerst positives Resümee: "Das Sportjahr 2010 hat erneut eine Vielzahl von wirklich ausgezeichneten Leistungen österreichischer Sportlerinnen und Sportler gebracht. Besonders freut mich, daß diese Leistungen in so vielen Disziplinen erbracht wurden. Diesen Trend zu einer wirklich breiten Basis für Spitzenleistungen zu verstärken, wird auch weiterhin ein wichtiges Anliegen meiner Tätigkeit als Sportminister sein".

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Generalversammlung des ÖPC 2010: Blick wird bereits auf London gerichtet

Am 11. November fand die 6. Generalversammlung des Österreichischen Paralympischen Committees (ÖPC) in Wien statt. Zu den anwesenden Mitgliedern der Generalversammlung zählte auch Claudia Lösch, Österreichs erfolgreichste Athletin der Winter-Paralympics "Vancouver 2010" und frisch gekürte Behindertensportlerin des Jahres 2010. Nachdem Manfred Auer, bisheriger Aktiven-Vertreter Wintersport, im ÖPC-Vorstand seine aktive Karriere beendet hat, wird zukünftig Claudia Lösch die Interessen der Wintersportlerinnen und -sportler im Vorstand vertreten.

Elf Medaillen (3x Gold, 4x Silber, 4x Bronze) konnte Österreich bei den Paralympics "Vabcouver 2010" gewinnen, womit Österreich – der immer härter werdenden internationalen Konkurrenz zum Trotz – im Medaillenspiegel den 7. Platz belegen konnte. Sechs der insgesamt 19 österreichischen Athletinnen und Athleten brachten die begehrten Medaillen von Kanada mit nach Österreich: Claudia Lösch (Gold im Slalom und Super-G, Silber in der Superkombi und Bronze in der Abfahrt bei den sitzenden Alpin-Athletinnen), Sabine Gasteiger mit Guide Stefan Schoner (Gold im Slalom und Silber im Riesentorlauf bei den sehbehinderten Alpin-Athletinnen), Robert Meusburger (Silber im Riesentorlauf der stehenden Alpin-Athleten), Jürgen Egle (Silber in der Superkombi der sitzenden Alpin-Athleten), Philipp Bonadimann (Bronze im Slalom und in der Superkombi der sitzenden Alpin-Athleten) und Hubert Mandl (Bronze im Super-G der stehenden Alpin-Athleten).

Der Blick des ÖPC ist nun bereits in die Zukunft gerichtet, und zwar auf die kommenden Sommer-Paralympics, die Ende August 2012 in London eröffnet werden. Auch in anderen Sportarten geht die Entwicklung weiter – Paragolf, Parasnowboard und Standing Eishockey bewerben sich um die Aufnahme in das Programm der Sommer- beziehungsweise Winterspiele. Das Internationale Paralympische Committee wird die positive Entwicklung und wachsende Professionalisierung des Behindertenleistungssports gemeinsam mit den nationalen und regionalen Komitees entsprechend vorantreiben.

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