Montag, 31. Jänner 2005
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Holocaust-Gedenken in Österreich – Bundeskanzler Schüssel: Auschwitz darf nie vergessen werden
Der 27. Jänner 2005, 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, ist für Bundeskanzler Wolfgang Schüssel auch ein Auftrag, in Österreich und seinen internationalen Beziehungen all jene Institutionen zu stärken, die sich für die Achtung der Menschenrechte und die Würde des Einzelnen engagieren. In Anerkennung einer moralischen Mitverantwortung für das Leid, das Menschen durch den Nationalsozialismus zugefügt wurde, habe die Republik Österreich in den letzten Jahren zusätzliche weit reichende Maßnahmen für die Opfer des Nationalsozialismus gesetzt, erinnerte Schüssel.
„Es gilt, verantwortungsvoll mit der Aufarbeitung dieses dunklen Fleckes unserer Geschichte umzugehen“, betonte Vizekanzler Hubert Gorbach.
Das Gedenken an den industriellen Massenmord und die abgründigsten und schrecklichsten Facetten des Menschen dürfe nicht auf den heutigen Tag beschränkt sein, meinte SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer. Gerade im heurigen Gedenkjahr müsse die Erinnerung an das Vernichtungslager Auschwitz als düsteres Symbol des Holocaust eine zentrale Rolle spielen.
Der grüne Bundessprecher Alexander Van der Bellen sagte, sechzig Jahre nach der Befreiung von Auschwitz sei die „Zeit gekommen, zu fragen, ob in uns und in unserer Gesellschaft auch heute noch die Keime stecken, die Auschwitz möglich gemacht haben“.
Auch in der nächsten Generation sei es notwendig, nicht Schuldzuweisungen zu machen, aber die Verantwortung kommender Generationen zu betonen, solches nicht noch einmal geschehen zu lassen, meinte der Wiener Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg. ■

Jubiläumsjahr 2005: Würdigung für Widerstand in NS-Diktatur
Politiker und Historiker würdigten am 19. Jänner im Parlament in einer Gedenkveranstaltung zum Jubiläumsjahr 2005 den Widerstand während der NS-Diktatur. Unisono wurde mehr Anerkennung für jene Frauen und Männer gefordert, die im Widerstand gegen das NS-Regime ihr Leben riskierten bzw. verloren. Bundespräsident Fischer verwies auf die bisher mangelnde Anerkennung für österreichische Widerstandskämpfer und forderte eine gesetzliche Aufhebung aller NS-Urteile wegen Desertion, Wehrdienstverweigerung oder Fahnenflucht. Bundeskanzler Schüssel stellte seinen Ausführungen den Gedanken voran, Sich-nicht-Erinnern würde heißen, vor der Vergangenheit zu fliehen und könnte bedeuten, Gegenwart und Zukunft zu verspielen. Lange Zeit sei in der historischen Betrachtung die Opferrolle Österreichs im Vordergrund gestanden. Tatsächlich hätten auch Österreicher Schuld auf sich geladen, was heute offen ausgesprochen werde. Der „positive Beitrag des Widerstandes ist von nicht zu unterschätzender Bedeutung, auch für die heutige Zeit“. Widerstand sei jedoch „kein Monopol einer Gruppe, keine Frage des Standes, keine Frage des Geschlechts und keine des Alters“, Widerstand habe es von Kommunisten und Sozialdemokraten ebenso gegeben wie aus dem bürgerlichen Lager. ■

Interreligiöse Gedenkstunde für Opfer der Tsunami-Katastrophe
Mit einer interreligiösen Gedenkfeier wurde am 19. Jänner in der Wiener Hofburg der mehr als 280.000 Todesopfer der Flutkatastrophe in Südostasien gedacht. Unter den rund 500 geladenen Gästen befanden sich die Spitzen aus Politik, Wirtschaft und Kultur sowie Angehörige der Opfer. Bundespräsident Heinz Fischer und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel unterstrichen in ihren Eröffnungsansprachen die Anteilnahme der österreichischen Bevölkerung und riefen zu Hoffnung und Solidarität auf. Vertreter der buddhistischen, israelitischen, christlichen und islamischen Glaubensgemeinschaften gedachten mit Gebeten und Vorträgen der Toten. ■

Ursula Haubner folgt Herbert Haupt als Sozialministerin
FPÖ-Parteiobfrau Ursula Haubner (59) wurde am 26. Jänner als neue Sozialministerin angelobt. Vorgänger Herbert Haupt hatte kurz zuvor aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt erklärt. Haubners Stelle als Staatssekretärin im Sozialministerium übernahm der Kärntner Abgeordnete und FPÖ-Sozialsprecher Sigisbert Dolinschek (50). ■

Bundespräsident Heinz Fischer bei Gedenkfeier in Auschwitz
Mehr als 20 Staats- und Regierungschefs sowie Delegationen aus insgesamt 37 Staaten nahmen am 27. Jänner im polnischen Oswiecim (Auschwitz) an der Gedenkveranstaltung zum 60. Jahrestag der Befreiung des NS-Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau teil. Österreich war durch Bundespräsident Heinz Fischer und eine Parlamentarier-Delegation vertreten. Als Ehrengäste waren zudem etwa 2.000 überlebende Häftlinge und Veteranen der Roten Armee anwesend, die 1945 die letzten Gefangenen im KZ Auschwitz befreiten.
Zu den internationalen Gästen zählten auch der deutsche Bundespräsident Horst Köhler, Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac, EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Durao Barroso und US-Vizepräsident Dick Cheney. Auf der Rednerliste standen unter anderem der israelische Staatspräsident Moshe Katzav sowie dessen Amtskollegen aus Polen und Russland, Aleksander Kwasniewski und Wladimir Putin.
Bundespräsident Fischer zeigte sich überzeugt, dass der Kampf u.a. um Menschenrechte, gegen Krieg und Gewalt jedwede Form eines derartigen Verbrechens in Zukunft unmöglich mache. ■

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel zu Besuch in Prag
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel absolvierte am 20. Jänner seinen ersten offiziellen Besuch in der Tschechischen Republik. Auf dem Programm standen unter anderem Gespräche mit Ministerpräsident Stanislav Gross und dem tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Klaus. Erörtert wurden bilaterale und EU-Themen.
In einer gemeinsamen Pressekonferenz warnten Schüssel und Gross vor einem eventuellen Scheitern der EU-Verfassung, was vor allem für mittlere und kleinere EU-Staaten wie Tschechien und Österreich nachteilige Folgen hätte. Die EU-Erweiterung am 1. Mai 2004 bezeichnete Schüssel als einen „Vitaminschub“ für die alten EU-Staaten.
Angesprochen auf die bilateralen Beziehungen zwischen Prag und Wien erklärten beide Regierungschefs, diese seien sowohl auf politischer als auch auf wirtschaftlicher Ebene ausgezeichnet. In der EU-Verkehrspolitik werde man künftig gemeinsam vorgehen und für Einschränkungen des LKW-Transits bzw. dessen Verlegung auf die Schiene kämpfen. ■

New York: Staatssekretär Franz Morak bei UN-Holocaust-Gedenken
Erstmals seit ihrem Bestehen gedachten die Vereinten Nationen in einer Sondersitzung in New York am 24. Jänner der Millionen NS-Opfer. Anlass war die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 60 Jahren, in dem mehr als eine Million Menschen ermordet wurden. Insgesamt fielen dem Holocaust allein sechs Millionen Juden zum Opfer.
Neben UNO-Generalsekretär Kofi Annan und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel ergriff Österreichs Kunststaatssekretär Franz Morak das Wort. Österreich habe „lange gebraucht, sich einzugestehen, dass es nicht nur Opfer des Nationalsozialismus war, sondern dass auch Österreicher unter den Tätern waren und viele den Nationalsozialismus aktiv unterstützt oder zumindest gebilligt haben“. Er betonte die „moralische Mitverantwortung Österreichs“ für den Holocaust und unterstrich, dass das Nazi-Regime u.a. auch „für den größten organisierten Raubzug aller Zeiten verantwortlich“ gewesen sei. Österreich habe das Ausmaß des Vermögensverlustes erst sehr spät realisiert. Mit den jüngsten Restitutions- und Wiedergutmachungsmaßnahmen habe man sich bemüht, den NS-Opfern „zumindest ein gewisses Maß an Gerechtigkeit zu Teil werden zu lassen. Dies kommt spät – für viele zu spät“. ■

Außenministerin Ursula Plassnik im Tsunami-Gebiet von Sri Lanka
Außenministerin Ursula Plassnik besuchte das von der Flutkatastrophe schwer betroffene Sri Lanka. In Colombo traf sie u.a. mit Premierminister Mahinda Rajapaksa zusammen. Im Mittelpunkt der Gespräche standen die österreichischen Projekte zum Wiederaufbau. Weiters besuchte sie die österreichischen DVI(Disaster Victims Identification)-Teams und in Galle die Soldaten des AFDRU(Austrian Forces Disaster Relief Unit)-Kontingents, die eine Trinkwasseraufbereitungsanlage installierten und das Wasser mit „Pinzgauer“-Fahrzeugen in die zerstörten Dörfer liefern. ■

Kanzler Schüssel: Airbus kurbelt Österreichs Wirtschaft an
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel bezeichnete am 18. Jänner im Pressefoyer nach dem Ministerrat die Beteiligung österreichischer Firmen an der Herstellung des neuen Airbusses als positiv. „Das ist ein riesiges Projekt, in das immerhin 12 Milliarden Euro geflossen sind. Davon kommen aus Österreich Zulieferungen in der Höhe von 1 Milliarde Euro. Ein großer Teil davon sind Eurofighter-Gegengeschäfte. Das ist der Start einer attraktiven österreichischen Zulieferindustrie im Bereich der Luftfahrt“, betonte Schüssel.
Vorgestellt wurde das größte Passagierflugzeug der Welt, der Airbus A380, am 18. Jänner im Airbus-Werk Toulouse-Blagnac in Anwesenheit der Regierungschefs der vier Airbus-Staaten Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Spanien. Von einer neuen Ära in der Luftfahrtbranche war die Rede. Auch heimische Unternehmen werden als Zulieferanten im Hightech-Bereich in hohem Ausmaß profitieren.
Der neue Airbus A380 soll ab 2006 in den Linienbetrieb gehen und kann in der Standardversion bis zu 555 Fluggäste und bei maximaler Belegung bis zu 800 Menschen befördern.
Im Airbus A380, der eine Spannweite von 79,8 Metern und eine Länge von 73 Metern aufweist, wird auch österreichische Hochtechnologie zum Einsatz kommen. Der österreichische Beitrag wird von Andreas Geisler, Experte der ASA Austrian Space agency, auf etwa 1 Mrd. Euro für den ersten Produktionszyklus geschätzt.
Während dieser ersten Produktionsphase sollen bis 2020 rund 600 A380-Flugzeuge hergestellt werden. Wertmäßig der größte Anteil entfällt auf das oberösterreichische Hightech-Unternehmen Fischer Advanced Composite Components AG (FACC): Das Gesamtauftragsvolumen beträgt zwischen 720 Mio. und 900 Mio. Euro, schätzt Geisler. FACC entwickelt und liefert wesentliche Strukturbauteile für Rumpf und Flügel. 60 Mio. Euro hat das Unternehmen investiert, 80 Ingenieure sind seit 2002 mit diesen Arbeiten befasst. Ab 2005 werden durchschnittlich 200 FACC-Mitarbeiter während der nächsten 20 Jahre in diesem Projekt tätig sein. Weitere heimische Zulieferer: Böhler Schmiedetechnik (Kapfenberg), AMAG Rolling (Ranshofen), Wild Austria (Völkermarkt), TTTech Computertechnik AG (Wien), Isovolta (Wiener Neustadt), Hitzinger (Linz) und Frequentis (Wien).
Mit dem A380 will Airbus das Monopol brechen, das der US-Konkurrent Boeing mit seiner 747 innehat. Bis zum Start des Airbus A380-Projektes dominierte die Boeing 747 den Markt der Großraumjets. ■

10 Jahre EU: Erfolgsstory für die heimische Wirtschaft
Der Beitritt zur EU habe sich gelohnt. „Österreich ist dadurch reicher, moderner und sicherer geworden“, erklärte der ehemalige EU-Agrarkommissar Franz Fischler beim Symposium „10 Jahre österreichische EU-Mitgliedschaft“, das Wirtschaftsministerium und Industriellenvereinigung (IV) am 20. Jänner in Wien abhielten. Dabei zogen Politiker und Wirtschaftstreibende Bilanz über 10 Jahre EU-Mitgliedschaft.
Per Saldo habe sich der EU-Beitritt „als Segen“ erwiesen. Laut OECD-Studie sei Österreich gemessen am BIP pro Kopf das sechsreichste Land der Welt. Das BIP war 2004 um 6 Mrd. Euro höher als es ohne Beitritt der Fall gewesen wäre. Österreich sei zu einer Drehscheibe für Mittel- und Osteuropa geworden. Die österreichische Wirtschaft sei zu einem europäischen Player geworden. Die Exporte hätten sich verdoppelt und mit 2% der Bevölkerung bestreite Österreich 9 % des EU-Handels mit den neuen Mitgliedern. ■

Karl Aiginger neuer Leiter des Instituts für Wirtschaftsforschung
Der bisherige Stellvertretende Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo), Karl Aiginger, 56, ist neuer Institutsleiter und folgt dem Anfang Februar an die Donau-Universität Krems wechselnden Helmut Kramer nach. Der renommierte Industrieökonom war mehrmals in den USA, so am MIT in Boston, an der UCLA in Kalifornien und zwei Mal an der Stanford University. Seit 1992 ist er Professor an der Universität Linz. Als Aufsichtsrat der Staatsholding ÖIAG war er auch wirtschaftlich praktisch tätig. Wirtschaft müsse für ihn effektive, soziale und ökologische Gesichtspunkte berücksichtigen, so Aiginger. Aus konservativem Lager stammend ist der von der 68er-Bewegung Geprägte nach eigenen Angaben kein Mitglied einer Partei. ■

Hans Gratzer 1941-2005: Morak würdigt den großen Theatermann
Der Regisseur und Theaterleiter Hans Gratzer, ist 63-jährig in seinem Haus in Niederösterreich an den Folgen seiner Krebserkrankung gestorben. Jahrzehntelang prägte er das österreichische Theater mit und erhielt 2004 auch einen „Nestroy“ für sein Lebenswerk. In einer ersten Reaktion sagte Kunststaatssekretär Franz Morak: „Sein Platz in der Wiener Theaterszene wird leer bleiben. Hans Gratzer hat die Theaterszene in Österreich mit Gründung des Schauspielhauses so nachhaltig geprägt und verändert, dass diese Veränderungen in jeder Theatergeschichte und der Zukunft ihren Platz erhalten werden. Er brachte einen neuen Schauspielstil ein“. Schon mit seiner 1973 gegründeten „Werkstatt“ im Theater am Kärntnertor sorgte er für Furore, u.a. mit „Elisabeth I“. 1977 gründete er das Wiener Schauspielhaus, das er bis 1986 leitete, in einer zweiten Direktionszeit 1991 bis 2001. Berühmt wurden seine Klassiker-Inszenierungen, etwa von „Hamlet“ (mit Karl Menrad), seine Musik-Stücke wie „Piaf“ (mit Maria Bill) oder „Rocky Horror Picture Show“ (mit Erich Schleyer). Einem staunenden Publikum präsentierte er Stücke von Bernard-Marie Koltès, Heiner Müller, Botho Strauß, Peter Handke, Elfriede Jelinek. Werner Schwab war seine größte Entdeckung. Zuletzt begeisterte er in der Josefstadt als Co-Regisseur einer schäbig- famosen „Dreigroschenoper“ von Brecht/Weill. Franz Morak: „Hans Gratzers Art Theater zu machen war atemberaubend. Sein Experimentieren mit neuen Spielformen führte ihn immer näher zum Musiktheater. Österreich hat einen begeisterten und begeisternden Bühnenkünstler verloren, einen radikalen in künstlerischen Ansprüchen, auch an sich selbst, der aber seine künstlerischen Weggefährten mit wahrer Menschenliebe und Herzlichkeit verwöhnte“. ■

Schönberg-Kandinsky-Ausstellung in New York ausgezeichnet
Der Internationale Kunstkritikerverband, Sektion USA, zeichnete „Schönberg, Kandinsky und der Blaue Reiter“ als beste Themenausstellung aus, die 2004 in New York zu sehen war. Am 25. Jänner nahmen im Museum of Modern Art der Direktor des Arnold-Schönberg-Centers Wien, Christian Meyer, und die Direktorin des Jüdischen Museums New York, Joan Rosenbaum, die Urkunde gemeinsam entgegen. Sie hat die in Wien konzipierte Ausstellung, die 2000 im Schönberg-Center gezeigt wurde, für New York adaptiert. Das Grundkonzept stammt von Christian Meyer, Evgenia Petrova und Joseph Kiblitsky. Arnold Schönberg und Wassily Kandinsky waren eng befreundet, befruchteten einander künstlerisch. So malte Kandinsky nach einem Schönberg-Konzert seine „Impression III (Konzert)“, beeinflusste den Komponisten in dessen Mal- und atonalen Schreibweise. ■

Martin Scorsese Ehrenpräsident des Filmmuseums in der Albertina
US-Filmregisseur Martin Scorsese („Taxi Driver“, „The Aviator“) ist der Einladung Alexander Horwaths, des Direktors des Österreichischen Filmmuseums in der Wiener Albertina, gefolgt und hat den Posten eines Ehrenpräsidenten übernommen. Wie der Regisseur erklärte, sei er gerne Pate für das Filmmuseum, seine „außerordentliche Sammlung, seine kreative Programmgestaltung und seine einzigartige Hingabe an die Vergangenheit und die Zukunft des Kinos“. In einem ORF-Interview meinte er: „Ich bin sehr froh, jetzt so oft wie möglich in dieser Stadt, die ich so sehr liebe, sein zu können“.
Die Bilanz des Filmmuseums ist für 2004, im 41. Jahr seines Bestehens, positiv. 57.000 Besucher wurden verzeichnet, eine Steigerung von 45 % gegenüber 2003. Derzeit ist eine Visconti-Retrospektive zu sehen, im Übrigen steht das Jahr 2005 im Zeichen der „Frage nach der Moderne“. Dazu sind Programme zu Frederick Wiseman, dem Film Noir oder dem brasilianischen Kino geplant. Ein Projekt um das Schaffen von Ehrenpräsident Scorsese soll 2006/07 stattfinden und von ihm selbst präsentiert werden. ■

Mathematiker Rudolf Taschner Wissenschafter des Jahres 2004
Der „Mathematik-Missionar“ Rudolf Taschner, 51, ist Österreichs „Wissenschafter des Jahres 2004“. Die Auszeichnung, vom Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten vergeben, wurde dem Mathematiker am 17. Jänner in Wien verliehen. Der sowohl als Universitäts- als auch als AHS-Lehrer in Wien Tätige hat den math.space“ im Wiener Museumsquartier initiiert, wo seit 2003 die Mathematik einer breiten Bevölkerung als kulturelle Errungenschaft präsentiert wird, die auch Spaß machen soll. Bisher haben rund 500 Veranstaltungen mit fast 30.000 Besuchern stattgefunden, die sich an alle Altersgruppen – vom Kindergarten bis zum Pensionisten – richten. Taschners Vortragsreihen lauten u.a. „Meilensteine der Mathematik“ oder „Mathematische Heldensagen“, letztere für Volksschüler konzipiert. Aprilsamstage sind „klEinstein“ gewidmet. Laut Taschner sei Mathe „die Wissenschaft vom Unendlichen“. Ihr hat er allgemein verständliche Sachbücher gewidmet, zuletzt „Der Zahlen gigantische Schatten“ (2004).■

Staatspreis an Margaretha Kopeinig
Die „Kurier“-Journalistin Margaretha Kopeinig wurde am 17. Jänner von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer und Verteidigungsminister Günther Platter mit dem Staatspreis für publizistische Leistung im Interesse der Geistigen Landesverteidigung ausgezeichnet: „Kopeinig macht ihren Leserinnen und Lesern Europa und die europäische Politik verständlich. Dadurch leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Europäischen Union, des wohl größten Friedensprojekts nach dem Zweiten Weltkrieg“, so Gehrer zur Entscheidung der Jury. Platter hob als besondere publizistische Leistung die Förderung des Verständnisses „für die Notwendigkeit der Europäisierung der nationalen Verteidigungsanstrengungen in Europa und damit in Österreich“ hervor. Kopeinig antwortete, dass sie den Preis als einen „für Offenheit, Europäertum, Internationalität“ verstehe. „Dafür einzutreten und daran zu erinnern, bedeutet für mich, ‚geistige Landesverteidigung’. In diesem Sinne bin ich für eine große mentale Aufrüstung“. ■

Hildegard Joos 1909-2005
Hildegard Joos, „Grande Dame“ der abstrakten Malerei in Österreich, ist am 17. Jänner mit 95 Jahren gestorben. Der Vertreterin des Konstruktivismus widmete die Wiener Sezession 1958 als erster Frau eine Einzelausstellung. Seit 1959 unterhielt sie gemeinsam mit ihrem vor kurzem verstorbenen Mann, den Philosophen und Kritiker Harold Joos, ein Atelier in Paris. Gemeinsam mit ihm entwickelte sie die „Narrativen Geometrismen“, die Mal- und Farbenlust mit geometrischen Formen vereinen. In den letzten Jahren schien sie sich von ihren formal strengen Arbeiten zu lösen: Nun malte sie altersweise-locker und mit großer Farbenpracht. ■

Dieter Zehentmayr 1941-2005
„Genie“ – so oft genannt, so selten wahr. Auf ihn trifft es zu: Dieter Zehentmayr, überragender Karikaturist mit feinem Strich und Humor, u.a. für den Wiener „Standard“ und die „Berliner Zeitung“, starb in der Nacht auf den 25. Jänner im Wiener AKH 63-jährig an Lungenkrebs. Sein Markenzeichen war ein kleines Vogerl, dem der Hut hochging. Der gebürtige Salzburger startete 1972 seine Karriere bei den „Vorarlberger Nachrichten“, wo Gustav Peichl („Ironimus“) auf das junge Talent aufmerksam machte. Später zeichnete er auch für die „Kleine Zeitung“ und den „Kurier“. Viele Leser sollen sich den „Standard“ nur wegen Dieter Zehentmayrs wunderbaren Zeichnungen gekauft haben... ■

Höchster Kulturorden Frankreichs an Verleger Peter Engelmann
Der Wiener Verleger und Philosoph Peter Engelmann wurde am 26. Jänner in Wien vom französischen Kulturministerium mit dem höchsten Kulturorden Frankreichs, dem „Commandeur de l’Ordre des Arts et Lettres“ ausgezeichnet. Engelmann ist Leiter des Passagen Verlages und u.a. Herausgeber erlesener französischer Sozialwissenschaft, Literatur und Kunst. Die Verbreitung zeitgenössischer französischer Philosophie im deutschen Sprachraum ist vor allem auch ein Verdienst des Passagen-Projektes, das Peter Engelmann vor rund 20 Jahren gemeinsam mit Michel Foucault, Jean-Francois Lyotard, Jean Baudrillard, Sarah Kofman und vor allem Jacques Derrida in Paris entworfen hat. ■

Wien Museum Karlsplatz: Nikita Chruschtschow und J. F. Kennedy
Bis 24. April widmet sich das Wien Museum mit der Schau „John F. Kennedy“ vor allem auch dem Wiener Treffen von US-Präsident Kennedy und dem sowjetischen Ministerpräsidenten Nikita Chruschtschow, das von 2. bis 4. Juni 1961 stattfand. Großen Anteil an der Wirkung des Meetings hatten auch die First Ladies – die schöne Jackie und die mütterliche Nina, die durch ihre Herzlichkeit gefangen nahm.
Die Ausstellung ist im Kern eine Übernahme der großen Berliner Schau 2003, die für Wien von den Kuratorinnen Michael Lindinger und Monika Sommer wesentlich erweitert wurde. Gezeigt werden 400 Exponate, vom 61er Cadillac Fleetwood von JFK und Jackie über das rote Schönbrunner Sofa, das Taufkleid Kennedys, relevanten Schallplatten Frank Sinatras und Bob Dylans, vielen Zeitungsausschnitten, Büchern, Briefen, Filmen auf eingehängten Videoscreens, einem Hörspiel von Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek zu „Jackie“, bis zu Masken, Barbie-Puppen, Münzen, Marken zum Gedenken an JFK. In Wien fotografierten 1961 Barbara Pflaum, die Presseagentur Votava und das Fotostudio Fayer. Wesentliche Originale stammen von der österreichischen First Lady Martha Kyrle, der Tochter des verwitweten Bundespräsidenten Adolf Schärf. ■

Fischer: Präsentation des neuen Bruckmüller-Österreich-Lexikons
Bundespräsident Heinz Fischer präsentierte am 20. Jänner das neue, dreibändige Österreich-Lexikon, herausgegeben von Ernst Bruckmüller, Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Wien. Das ehrgeizige Unternehmen gilt jetzt schon als wesentliches Nachschlagewerk über Österreich. Gegenüber der Ausgabe 1995 stark erweitert, deckt es bei 1824 Seiten mit ca. 15.000 Stichwörtern sämtliche Wissensbereiche ab: Kunst und Kultur, Geschichte und Topographie, Umwelt und Landwirtschaft, Politik und Rechtswesen, Gesundheits- und Sozialwesen, Sport, Freizeit, Persönlichkeiten. Reichhaltig ist das Werk mit ca. 2.500 Abbildungen (s/w und färbig) illustriert. Menschen, Landschaften, Kunstschätze und Gebäude, etc., werden so plastisch erfahrbar. Bruckmüller selbst umreißt in neuen umfangreichen Artikeln die Rolle Österreichs im historischen und europäischen Zusammenhang. ■

Albertina: Egglestons „Los Alamos“
Seit einer Einzelausstellung im New Yorker Museum of Modern Art 1976 zählt William Eggleston, geboren 1939 in Memphis, Tennessee, zu den bedeutendsten zeitgenössischen Fotografen. Scheinbar unkünstlerisch und teilnahmslos beleuchtet seine Arbeit den durchschnittlichen amerikanischen (Konsum-)Alltag. Bilder wie aus dem Nouveau Roman und dem Cool Jazz. Oder wie er selbst sagt: “I had this idea of a democratic way of viewing; where nothing is of a more of lesser importance”. Die Wiener Albertina zeigt bis 24. April aus dem monumentalen, insgesamt rund 2.200 Fotografien umfassenden Zyklus „Los Alamos“ 57 herausragende Fotos, die in den Jahren 1966 bis 1974 im Zuge mehrer Reisen durch die Südstaaten entstanden sind. ■

1705: Zauberhafte Ausstellung im Haus-, Hof- und Staatsarchiv
Im Jubiläumsjahr „Österreich 2005“ zeigt das Haus-, Hof- und Staatsarchiv am Wiener Minoritenplatz die kleine zauberhafte Ausstellung „1705 – Was vor 300 Jahren geschah“. Russland drang ins Baltikum vor, die Habsburgermonarchie stieg zur europäischen Großmacht auf. Zu sehen sind 119 Dokumente, die die Begebenheiten des Jahres thematisieren, wie das Testament Leopold I. oder ein Verhörprotokoll nach der Festnahme eines Räubers. Zehn Kapitel, u.a. „Europa im Krieg“, „Religion und Kultur“ oder „Hof und Alltag“ geben faszinierenden Einblick in die Zeit. ■

Österreich 2005 – Ein Überblick
Der Bundespressedienst hat gemeinsam mit dem Planungsbüro 2005 die Broschüre „Österreich 2005“ verfasst, in der die wesentlichen Ereignisse, die das Gedankenjahr bestimmen, in geraffter Form präsentiert werden. Die reich illustrierte Publikation gibt mit den Kapiteln „Die großen Jahrestage“, „Kultur im Aufbruch“ und „Österreich in der Welt“ einen guten Überblick und möchte in breiten Kreisen das Verständnis für jene Zusammenhänge fördern, die das Jahr 2005 prägen. Weiters möchte sie auch Entwicklungsstränge sichtbar machen, die nach vorne weisen. Das Wissen um die Vergangenheit soll Kraftquelle für die Zukunft sein. „Österreich 2005“ erscheint in Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Russisch und kann gratis vom Bundeskanzleramt, Bundespressedienst bezogen werden. ■

Sport & Business-Circle unter dem Motto „Fit for Business“
Gesundheit und Wohlbefinden bei der Arbeit sind wichtige Voraussetzungen für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Unternehmen. Gesunde Arbeitsbedingungen können daher die ökonomische und soziale Entwicklung von Unternehmen positiv beeinflussen. International liegt das Hauptaugenmerk betrieblicher Gesundheitsförderung vor allem in Maßnahmen zur Steigerung der körperlichen Aktivität, Ernährungsprogrammen, Programmen zur Gewichtskontrolle, Raucher- und Alkoholprogrammen, Rückenschulen sowie Maßnahmen zum besseren Stressmanagement. Positive Effekte ergeben sich auf betriebswirtschaftlicher Ebene in Einsparungen aufgrund vermiedener Entgeltfortzahlungen im Krankheitsfall, auf volkswirtschaftlicher Ebene durch eine Reduktion an Krankengeld und Krankenstandstage. Unter dem Motto „Fit for Business“ wurde im Wiener InterContinental mit rund 200 interessierten aus Wirtschaft und Sport diskutiert. „Bewegung rechnet sich“, betonte Sport-Staatssekretär Mag. Karl Schweitzer. In einer Studie des Instituts für Höhere Studien wird darauf hingewiesen, dass unter der Annahme, dass alle Erwerbstätigen durch betriebliche Gesundheitsförderungsprogramme erreicht werden können und alle erwerbstätigen Personen den, auf sie individuell zugeschnittenen, Empfehlungen Folge leisten und versuchen ein gesundes und sportlich aktives Leben zu führen, möglicherweise volkswirtschaftliche Einspareffekte von bis zu € 3,64 Milliarden zu erzielen wären. Abgesehen von diesen monetären Effekten sind auch ein gesteigertes persönliches Wohlbefinden und ein höheres Selbstbewusstsein zu erwarten. Der sportlichen Diskussion über fitte Mitarbeiter und Unternehmen wohnten auch der Nestlé Österreich-Manager Christian Reiterer, Gerhard Seidl vom Wien Energie Business Run, Coca-Cola-Manager Philipp Bodzenta, Contrast-Geschäftsführer Christian Horak, Hotelier Andrea Zauner-Dungl und Hans Pichler von Citroën bei. ■

Hochkarätiges ÖSV-Team bei Alpiner Ski-WM in Bormio
Die sehr emotionelle Eröffnungsfeier der 29. alpinen Ski-WM in Bormio stand im Zeichen von traditionellen Stammestänzen verschiedener Indianerstämme, multikultureller Folklore sowie moderner Akrobatik weiß gekleideter Turnerinnen. Mit einem Aufgebot von 13 Herren und 12 Damen ist das österreichische Ski-Team in Bormio und Santa Catarina vertreten. Nach Cortina d´ Ampezzo (1932), Val Gardena/Gröden (1970), Bormio (1985) und Sestriere (1997) die fünfte Weltmeisterschaft in Italien. 450 Teilnehmer aus 63 Nationen werden um die begehrten 33 Medaillen kämpfen, wobei das Budget dieser WM rund 45 Millionen € beträgt. Mag. Schweitzer hat große WM-Hoffnungen, „Bis zu 14 Medaillen traue ich unserem Team zu.“ ■

Gesundheitsvorsorge durch Sport in Betrieben nachhaltig verbessern
Die Firma Knapp Logistics Automation präsentierte sich als erstes von zehn Leit-Unternehmen österreichweit, welche vom Staatssekretariat für Sport für gesundheitsorientierte Bewegungsprogramme und Präventionsmaßnahmen eine 50%-Förderung erhalten. Die Dachverbände ASKÖ, ASVÖ und SPORTUNION werden dafür ihre Ressourcen zur Verfügung stellen, Ablauf und Untersuchungsinhalte erfolgen nach einem standardisierten Konzept. Neben individuellen Fitness-Checks und einer Erhebung des persönlichen Gesundheitszustandes, können die TeilnehmerInnen in 24 Übungseinheiten ihre psychischen und konditionellen Fähigkeiten verbessern. Geschäftsführer DI Eduard Wünscher zeigte sich von der Idee und vom Ablauf begeistert, „Wenn die Leute Sport machen wollen, unterstützen wir sie dabei. Wichtig ist ein gutes Betriebsklima sowie fitte und motivierte Mitarbeiter.“ „Fit for Business führt weiters zur Reduktion von Krankheitstagen und verbessert die betriebsinterne Kommunikation“, resümierte Schweitzer. ■