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"Integrationsjahr ist ein großer Wurf" (in: "Tiroler Tageszeitung")

SPÖ-Staatssekretärin Duzdar sieht guten Kompromiss: "ÖVP waren Symbole wichtig, mir die konkreten Integrationsmaßnahmen."

Tiroler Tageszeitung (TT): Ist jetzt die SPÖ nach rechts gerückt?

Muna Duzdar: Was wir beim Integrationsjahr durchgesetzt haben, ist ein großer Wurf. Das geht ein wenig unter.

TT: Weil sich alles auf ein Verbot der Vollverschleierung fokussiert?

Duzdar: Integration ist aber viel mehr als bloße Symbolik. Ich habe zahlreiche konkrete Integrationsmaßnahmen durchgesetzt. Erstmals wird es in Österreich ein umfassendes Integrationsprogramm geben. Und zwar nicht nur für Asylberechtigte, sondern auch für Asylwerber mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit. Es braucht ein flächendeckendes, strukturiertes Angebot an Kursen. Für mich war wichtig, dass wirkliche Integrationsmaßnahmen umgesetzt werden. Wir werden das Integrationsjahr umsetzen, werden zudem den Dienstleistungsscheck für Asylwerber öffnen. Damit ist gewährleistet, dass Asylwerber nicht zur Untätigkeit verdammt oder erzogen werden.

TT: Was beinhaltet jetzt das Integrationsjahr?

Duzdar: Im mindestens zwölfmonatigen Integrationsprogramm sind Sprach-und Orientierungskurse und Kompetenzclearings beinhaltet. Es gibt zudem Integrationsberater als Begleiter und es gibt ein Training für den Arbeitsmarkt. Wir haben jetzt erstmals ein klares System. Wenn man will, dass diese Menschen bei uns rasch Fuß fassen, muss man auch Angebote schaffen.

TT: Und das war Ihnen so wichtig , Ihren Widerstand im Bereich der Vollverschleierung aufzugeben?

Duzdar: In jeder Partnerschaft muss man sich aufeinander zubewegen. Der ÖVP waren Symbole wichtig, mir die konkreten Integrationsmaßnahmen.

TT: Ist also die SPÖ nach rechts gerückt?

Duzdar: Ich verfolge bei der Integration einen sehr pragmatischen Zugang.

TT: In der Hoheitsverwaltung wird es ein Kopftuchverbot...

Duzdar: ...darf ich Sie unterbrechen? Es gibt kein Kopftuchverbot. Nirgendwo ist die Rede vom Kopftuchverbot. Es gibt ein Neutralitätsgebot bei der Polizei, Richtern und Staatsanwälten. Jetzt schon gibt es dort eine klare Kleidervorschrift für Amtsträger, die eine Dienstkleidung tragen. Ich starte deshalb jetzt einen breit angelegten interreligiösen Dialog. Denn mir ist die Einbindung der Religionsgemeinschaften in dieser Frage sehr wichtig.

Das Interview führte Michael Sprenger