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Christian Kern: "Im Herbst steht der New Deal" (in: "Heute") 

Der Kanzler über Jobs, Mieten und "Scharlatanerie" in der Politik

Heute: Mussten Sie Ihr iPhone gegen ein abhörsicheres Gerät eintauschen?

Christian Kern: Ich glaube, das ist das Einzige, das ich behalten durfte [schmunzelt].

Heute: Sie kündigen viel an. Wann legen Sie Konkretes vor?

Kern:Im Laufe des Sommers legen wir Ideen vor. Dann folgt ein Prozess, um Wirtschaft und Gesellschaft zu gestalten - mit Opposition und dem Rechnungshof.

Heute: Im Herbst steht der New Deal?

Kern: Ja.

Heute: Was geschieht kurzfristig?

Kern: Wir werden schon vorher eine Reihe von Maßnahmen vorlegen, etwa den Handwerker-Bonus besser zu vermarkten.

Heute: Was hat national Priorität?

Kern: Wir brauchen öffentliche Investitionen, insbesondere in den Wohnbau. Das hätte positive Auswirkung auf die Mieten. Die Einkommensverteilung ist ein zweites großes Thema. Vom Bruttoeinkommen bleibt in Österreich EU-weit am zweitwenigsten netto. Nur Belgien liegt vor uns. Das ist ein Auftrag.

Heute: Sie fordern, Dogmen über Bord zu werfen - auch in der Bildung und im Wohnbau. Beides wird derzeit verhandelt.

Kern: Ich möchte das fortsetzen. Aber zuerst braucht's eine Analyse, ob die Richtung stimmt.

Heute: Fenster auf, frischer Wind...

Kern:* Palastrevolutionen darf man sich nicht erwarten. Wir sind eines der wohlhabendsten Länder. Es geht darum, die Zukunft nicht zu verspielen.

Heute: Kommt die Gesamtschule?

Kern: Wenn ich mich am siebten Tag hinstellen und erklären würde, dass wir alle Lösungen haben, wäre das Scharlatanerie

Heute: Sie haben die Serie "House of Cards" zitiert. Schauen Sie das?

Kern: Nach der 1. Staffel nicht mehr.

Heute: Wie viel arbeiten Sie?

Kern: Ich schlafe sechs Stunden. Und mein Joggingprogramm lasse ich mir nicht nehmen.

Heute: Ihre Umfragewerte steigen. Schließen Sie Neuwahlen aus?

Kern: Wer taktische Spielchen spielt, ist schlecht beraten. Ich möchte bis 2018 arbeiten.

Heute: Einschneidende Reformen dämpfen oft die Beliebtheit.

Kern: Wenn wir aus den richtigen Motiven scheitern, dann brauchen wir uns nicht fürchten. Ich habe nicht vor, die SPÖ in die Opposition zu führen. Aber am Ende des Tages sind die Grundsätze wichtiger als der Machterhalt. Nur in die Mitte zu rücken, macht uns undifferenzierbar.

Heute: Im Sommer wird die Asyl-Obergrenze erreicht sein. Dann?

Kern: Der Richtwert von 37.500 Asylwerbern und die Maßnahmen, die unter meinem Vorgänger beschlossen worden sind, sind sinnvoll und ich halte daran fest. Jetzt überlegen wir uns, wie die Notstandsverordnung gestaltet wird. Denn das muss funktionieren.

Heute: Was erwarten Sie vom EU-Deal mit der Türkei?

Kern: Schwierig. Merkel glaubt daran. Ich glaube, wir werden nicht um Investitionen in Hotspots und die Regionen vor Ort herumkommen. Mit 1 Euro in einem Flüchtlingscamp erreiche ich mehr als mit 1 Euro, den ich investiere, wenn die Menschen hier sind.

Heute: Reden Sie mit Werner Faymann?

Kern: Er besucht mich heute. Mit den Kanzlern Vranitzky und Gusenbauer habe ich bereits geplaudert.

Heute: Zur EURO nach Frankreich?

Kern: Das habe ich leider aus meinem Kalender gestrichen.

Das Interview führte Erich Nuler. Es fand gemeinsam mit Alexandra Föderl-Schmid ("Standard"), Reinhard Göweil ("Wiener Zeitung") und Werner Schima ("Österreich") im Kreisky-Saal des Kanzleramtes statt.