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Fest der Freude 2017 - Nachlese

am 8. Mai ab 19:30 Uhr am Wiener Heldenplatz

Am 8. Mai 2017 jährte sich der Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht und des offiziellen Endes des 2. Weltkrieges in Europa zum 72. Mal. Aus diesem Anlass und zum Gedenken an die Opfer und die Freude über die Befreiung von der nationalsozialistischen Terrorherrschaft veranstaltete das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) bereits zum 5. Mal das Fest der Freude mit einem Gratiskonzert der Wiener Symphoniker unter der Leitung von Dirigent Ádám Fischer am Wiener Heldenplatz

Veranstaltet wurde das Fest der Freude vom Mauthausen Komitee Österreich in Kooperation mit den Wiener Symphonikern und durch Unterstützung der Israelitischen Kultusgemeinde, des Vereins Gedenkdienst, des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands, der österreichischen Bundesregierung und der Stadt Wien.

Zeit
8. Mai 2017 ab 19:30 Uhr

Ort
Heldenplatz in Wien

Programm

Das Fest der Freude wird von Katharina Stemberger moderiert und mit den Worten der Zeitzeugin Lucia Heilman und MKÖ-Vorsitzenden Willi Mernyi umrahmt.

Die Wiener Symphoniker werden unter der Leitung des Dirigenten Ádám Fischer ein kostenloses Open-Air-Konzert spielen. Am Programm stehen neben Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert, das von dem jungen, preisgekrönten Wiener Violinisten Emmanuel Tjeknavorian interpretiert wird, auch Werke von Ludwig van Beethoven. Zu erleben gibt es dabei die Egmont- und Leonore Ouvertüren sowie die Konzertarie "Ah perfido" für Sopran und Orchester mit der finnischen Ausnahme-Sängerin Camilla Nylund. Zum Abschluss der Veranstaltung wird die "Ode an die Freude" aus Beethovens 9. Symphonie erklingen. Eröffnet wird das Konzert mit der Uraufführung eines neuen, eigens für das Fest der Freude komponierten Stücks des österreichischen Komponisten Kurt Schwertsik, "Hier und Jetzt!".

19:10 Uhr
Videobotschaften zum Fest der Freude 2017

19:30 Uhr
Eröffnung und Wortbeiträge

20:00 Uhr
Ludwig van Beethoven Ouvertüre zur Schauspielmusik "Egmont" op. 84
Felix Mendelssohn Bartholdy Konzert für Violine und Orchester e-moll op. 64
Zeitzeugin Lucia Heilman "Ich war endlich befreit. Ein Gefühl, das man nicht beschreiben kann. Ich war glücklich. Ich war selig!"

Ludwig van Beethoven "Ah perfido!", Szene und Arie für Sopran und Orchester op. 65
Ludwig van Beethoven Ouvertüre Nr. 3 zur Oper "Leonore" op. 72b

ca. 21:10 Uhr
Ende der Veranstaltung

Der 8. Mai
Umkämpfte Be-Deutung

Der 8. Mai 1945 ist der Tag der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht und des offiziellen Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa. Der Sieg der alliierten Truppen über das NS-Regime beendete dessen verbrecherischen Angriff- und Vernichtungskrieg sowie die rassistische und politische Verfolgung und Vernichtung von Millionen Menschen. Der 8. Mai ist noch kein offizieller Feier- oder Gedenktag in Österreich.

Die lasch durchgeführte Entnazifizierung, die Wiederbesetzung von wichtigen Positionen mit (ehemaligen) Nationalsozialistinnen/ Nationalsozialisten, die geringe Anerkennung von Opfern des NS-Regimes, das Versäumnis, emigrierte Menschen wieder zur Rückkehr nach Österreich einzuladen, sind Zeichen hierfür. Das Fehlen einer Zäsur spiegelt sich ebenso in der sogenannten "Opfer-These" wider sowie in der Bedeutung des Nationalfeiertages am 26. Oktobers, an dem an die Beendigung der Besatzung und den Beginn der Neutralität gedacht wird.

Die späte Aufarbeitung Österreichs der NS-Vergangenheit und Etablierung einer kollektiven Erinnerungskultur begünstigten die Umdeutung des 8. Mai und damit des Wiener Heldenplatzes durch rechtsextreme Burschenschaften des Wiener Korporationsrings mit. In den 1990er Jahren begannen  Burschenschaften, ein Gedenken an die gefallenen Wehrmachtssoldaten und Angehörigen der NS-Verbrecherorganisationen vor der Krypta abzuhalten.

Der Raum der Krypta befindet sich in dem rechten Flügel des Burgtores und wurde in den 1930er Jahren als Gedenkraum für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges geschaffen. Die an diesem Ort stattfindende Fusionierung des Gedenkens an die Gefallenen beider Weltkriege und die damit einhergehende Vermischung, für welche "Heimat" gekämpft wurde, fand nach 1945 statt. Im Jahr 1997 stimmten alle Parteien im österreichischen Parlament für die Einführung des 5. Mais als nationalen Gedenktag in Österreich. Seit 1998 veranstalten die Vertreterinnen und Vertreter der österreichischen Regierung an diesem Tag - Befreiung des Konzentrationslager Mauthausens - den Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Die ersten Anstrengungen, den 8. Mai nicht zu einem Tag werden zu lassen, an dem die Niederlage der deutschen Wehrmacht betrauert wird, fanden bereits ab dem Jahr 2002 durch eine Vielzahl von zivilgesellschaftlichen Organisationen statt. Seit 2013 wird am Heldenplatz das vom MKÖ veranstaltete Fest der Freude mit einem Gratiskonzert der Wiener Symphoniker gefeiert. Im Jahr 2013 führte das Österreichische Bundesheer auch erstmals eine Mahnwache vor der Krypta durch. Das offizielle Österreich bezieht eine klare Position: Der 8. Mai ist ein Tag der Freude über das Ende der NS-Herrschaft in Europa und ist dem Gedenken an die Opfer der Verfolgungs- und Vernichtungspolitik gewidmet.

Weiterführende Informationen und Kontakt

Das Gratiskonzert der Wiener Symphoniker findet bei jedem Wetter am Wiener Heldenplatz statt. Sitzplätze sind beschränkt vorhanden.

Links

Kontakt

Mauthausen Komitee Österreich (Veranstalter)
Telefon: +43 1 212 83 33
E-Mail: info@mkoe.at
www.mkoe.at