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Kulturminister Thomas Drozda bezeichnete die Architektur in Vorarlberg als eine, die Maßstäbe setzt. (in: "Vorarlberger Nachrichten")

Benchmark für ganz Österreich

Vorarlberger Nachrichten: Die Bregenzer Festspiele hatten im Vorjahr eine Erhöhung der Subvention des Bundes um 500.000 Euro verhandelt. Gäbe es eine Indexanpassung, so müsste es mehr sein. Welche Perspektiven können Sie den Festspielen geben?

Thomas Drozda: Das ist eine veritable Erhöhung. Als jemand, der große Betriebe geleitet hat, weiß ich, dass eine Valorisierung fair ist. Die personalintensiven Betriebe brauchen die Möglichkeit, den künstlerischen Etat zu finanzieren. Wenn dieser laufend reduziert wird, ist das eine unbefriedigende Situation. Insofern habe ich während der letzten zwei Jahrzehnte immer vertreten, dass es die Valorisierungen geben soll. In den Positionen, in denen es mir selbst genutzt hat, als Theatermanager, habe ich den Riesensprung befürwortet. Den Sprung fordere ich auch jetzt, weil ich weiß, welche Risiken es bergen kann, wenn er nicht erfolgt.

Vorarlberger Nachrichten: Apropos Kunst, aber auch Presseförderung: Sie sagten, dass Sie "frisches Geld" brauchen. Welche Absprachen wurden bereits mit dem Finanzminister getroffen?

Drozda: Ich möchte ein Grundverständnis dafür, dass man die Qualität und die hochwertige Medienlandschaft sicherstellen muss. In einem Land mit acht Millionen Einwohnern funktioniert der Medienmarkt anders als in einem zehn Mal so großen Land. Ich sehe es positiv, dass uns eine Reform gelingen wird.

Vorarlberger Nachrichten: Sie sagten, Künstler sollen mehr gehört werden. Wie soll das von statten gehen?

Drozda: Ich habe das Ministerium kurz nach meinem Amtsantritt für Kunst- und Kulturschaffende und Intellektuelle geöffnet. Mir geht es darum, mit ihnen nicht nur über die Kunstförderung zu diskutieren, sondern zu fragen, welche Ideen sie für die Entwicklung der Gesellschaft haben. Das kann auch zu Veränderungen in der Politikgestaltung führen.

Vorarlberger Nachrichten: Stichwort "Ausbau freie Gruppen". Was ist darunter zu verstehen? Wollen Sie die Töpfe neu verteilen? Es gibt auch beim Bund einen Beirat, der Förderungen für Projekte der freien Gruppen empfiehlt oder nicht empfiehlt. Wie wollen Sie es damit halten?

Drozda: Wir werden die Mittel bis 2018 erhöhen. Was wir unmittelbar gemacht haben, ist die Erhöhung der Stipendien um 200 Euro. Das ist von allen Betroffenen sehr positiv aufgenommen worden. Außerdem haben wir die Anzahl der Ateliers erhöht. Das ist sehr wichtig.

Vorarlberger Nachrichten: Es gibt freie Gruppen und es gibt beispielswiese Mittelbühnen, wie etwa das Schauspielhaus Salzburg, das Schauspielhaus in Wien oder das Phönix-Theater in Linz und in Vorarlberg das Theater Kosmos. Die Theaterallianz, deren lockerer Zusammenschluss, wird vom Bund gefördert. Halten Sie daran fest?

Drozda: Ich finde das sehr gut, ich war selbst Präsident des Wiener Bühnenvereins und habe die Erfahrung gemacht, dass es wichtig ist, sich zu vernetzen und abzustimmen. Ich finde es gut, dass das bundesländerübergreifend passiert und würde mir mehr solcher Initiativen wünschen.

Vorarlberger Nachrichten: Sie waren heute Vormittag bei der Eröffnung des neuen Marte.Marte-Büros in Feldkirch, einem österreichischen Teilnehmer bei der Biennale Venedig. Vorarlberg wird gerne als Architekturland bezeichnet. Wie sehen Sie das in Wien?

Drozda: Wie man es generell in Wien wahrnimmt, weiß ich nicht. Ich bin ein totaler Architekturfan und bewundere sehr, was im Westen Österreichs passiert. Diese Selbstverständlichkeit, dass man mit Architekten redet und nicht einfach mit dem Baumeister, daraus ergibt sich auch ein Verständnis für das Handwerk. Es kommt nicht von ungefähr, dass Marte. Marte ein Top-Architekturbüro ist und nach Venedig eingeladen wurde. Was hier passiert, ist wirklich die Benchmark für ganz Österreich.

Vorarlberger Nachrichten: Marte. Marte ist das einzige Büro aus Österreich, das von Alejandro Aravena in die zentrale Biennale-Ausstellung "Reporting from the front" eingeladen wurde. Man hatte nicht den Eindruck, dass das in Wien überhaupt wahrgenommen wurde.

Drozda: Im Grunde genommen ist das nun auch mein Job, nämlich für Öffentlichkeit und Verbreitung zu sorgen.

Vorarlberger Nachrichten: Die Europäische Kulturhauptstadt ist in Vorarlberg gerade ein großes Thema. Vier Städte wollen gemeinsam als Region eine Bewerbung ausarbeiten. Österreich hat sich das Jahr 2024 ja reserviert. Das heißt, salopp gesagt, der Bund wird sowieso zahlen. Wie stehen Sie dazu?

Drozda: Ich finde es gut, dass es diese Kulturhauptstadtidee gibt. Man hat damit eine hohe internationale Aufmerksamkeit. Ich habe das in Graz und Linz gesehen, das war nicht zum Nachteil der Städte. Es gehen Impulse davon aus. Wie man sich in Vorarlberg nun zwischen den Städten und dem Land verständigt, da warte ich ab. Ich finde diese Idee mit den Regionen aber charmant, die hat etwas.