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Kunstrückgabebeirat beschloss drei Empfehlungen

Der Kunstrückgabebeirat beschloss in seiner Sitzung am 5. Oktober 2016 drei Empfehlungen. In zwei Fällen empfiehlt der Beirat Rückgaben: fünf Blätter von Carl Meyer aus der Albertina an die Erben nach Betty Blum und 363 Objekte aus der Sammlung "Anna Mautner" des Museums für Volkskunde. Keine Rückgabe empfiehlt der Beirat zu sechs Blättern von Egon Schiele, die die Albertina im Jahr 1951 von Hubert Jung erwarb.

Die Witwe des Industriellen und Volkskundlers Konrad Mautner (1880 bis 1924), Anna Mautner (1879 bis 1961), wurde vom NS-Regime als Jüdin verfolgt. Sie musste über Ungarn in die USA fliehen. Anna Mautner und ihr Ehemann waren dem Museum für Volkskunde als Förderer verbunden. Nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich betrieb das Museum die Sicherstellung der Sammlung und erwarb in der Folge Teile der Sammlung, die in mehreren Tranchen inventarisiert wurden. Da Anna Mautner zum Kreis der verfolgten Personen zählte und die Erwerbungen überdies im engen Zusammenhang mit der Verfolgung und Flucht von Anna Mautner standen, sah der Beirat die Voraussetzungen für eine Übereignung der Blätter an die Rechtsnachfolger nach Anna Mautner als erfüllt an.

Das Ehepaar Noe (1878 bis 1961) und Betty Blum (1875 bis 1967) führte seit dem Jahr 1913 eine Kunsthandlung in München. Auch sie wurden nach der NS-Machtergreifung als Juden verfolgt. Nach dem Entzug der Gewerbeberechtigung im Oktober 1933 wurde das Geschäft liquidiert und das Ehepaar aus dem Freistaat Bayern ausgewiesen. Seit 1934 lebte die Familie in Wien. Im Jänner 1938 legte Betty Blum der Albertina die fünf gegenständlichen Blätter von Carl Meyer vor. Die Albertina kaufte die Zeichnungen im Oktober 1938. 1939 flüchtete das Ehepaar nach Palästina. Der Beirat sah aufgrund des Verfolgungshintergrundes der Familie Blum die Voraussetzung einer Rückgabe an die Rechtsnachfolger nach Betty Blum erfüllt.

Im Jahr 1951 erwarb die Albertina laut Inventarbuch von "H. Jung, Jochberg (Hütte) Tirol" sechs Blätter von Egon Schiele. Als "H. Jung" konnte der in Stuttgart geborene Architekt Hubert Jung (1883 bis 1971) identifiziert werden. Hubert Jung und sein Bruder Hugo Jung waren vor dem Ersten Weltkrieg im Atelier von Josef Hoffmann tätig. Sie standen in Kontakt zu Egon Schiele und erwarben Werke des Künstlers. Hugo Jung fiel im Ersten Weltkrieg, Hubert Jung errichtete im Jahr 1920 eine Hütte am Jochberg, Tirol, und erwarb mit seiner Ehefrau Anna einen Besitz in Zell am See, Salzburg. Im Jahr 1938 übersiedelte das Ehepaar nach Mecklenburg-Vorpommern, Anna Jung wurde von den Nationalsozialisten als "Halb-Jüdin" verfolgt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Besitz in Mecklenburg-Vorpommern enteignet und das Ehepaar floh im Jahr 1949 in den Westen. Im April 1951 wandte sich Hubert Jung an die Albertina, um die Zeichnungen zum Kauf anzubieten. Da der Ankauf im Jahr 1951 erfolgte und keine Entziehung der Blätter anzunehmen ist, ist kein Tatbestand des Kunstrückgabegesetzes erfüllt.

Die Empfehlungen sind im Wortlaut auf der Webseite der Kommission für Provenienzforschung wiedergegeben.

Rückfragehinweis:
Kabinett Bundesminister Mag. Thomas Drozda
Mag. Kerstin Hosa, MAS
Pressesprecherin Kunst & Kultur
Telefon: +43 1 531 15-20 21 22
Mobil: +43 664 610 63 62
E-Mail: kerstin.hosa@bka.gv.at