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Muna Duzdar: "Kurz will Hartz-IV" (in: "profil")

profil: Integration passiert am Arbeitsplatz. Was spricht gegen eine Arbeitspflicht für Asylberechtigte?

Muna Duzdar: Ich möchte kein Zwangssystem, das am Ende alle Arbeitslosen trifft – auch die Österreicher. Minister Kurz will das deutsche Hartz-IV-Modell bei uns einführen. Die Flüchtlinge werden nur vorgeschoben.

profil: Was werden Flüchtlinge, die keine Arbeit finden, den ganzen Tag tun? Im Park sitzen?

Duzdar: Die Mindestsicherung ist kein Geschenk. Jeder Bezieher muss Arbeit annehmen oder Kurse besuchen.

profil: Laut Prognosen werden nur 50 Prozent der Asylberechtigten in fünf Jahren Arbeit finden.

Duzdar: Es gibt Mängelberufe. In der Gastronomie werden dringend Beschäftigte gesucht.

profil: Wenn man diese Stellen schon mit heimischen Arbeitslosen nicht besetzen kann, warum soll das mit Syrern klappen?

Duzdar: In der Gastronomie und am Bau werden Jobs von Osteuropäern erledigt. Wir sollten die Arbeitskräfte im Inland verstärkt qualifizieren – auch die Flüchtlinge.

profil: Muss Österreich als klares Einwanderungsland nicht einen Billiglohnsektor eröffnen, in dem Migranten und Flüchtlinge andocken können?

Duzdar: Nein! Wir müssen wieder mehr gute Jobs schaffen.

profil: Die Arbeitslosigkeit soll bis 2019 steigen. In Wien ist schon ein Drittel der jungen Männer ohne Job.

Duzdar: Das sind meist Menschen ohne Ausbildung. Deswegen müssen wir bereits Asylwerber mit guter Chance zu bleiben höher qualifizieren und an den Arbeitsmarkt heranführen. Wir schlagen ein Integrationsjahr vor.

profil: Und nach diesem Jahr?

Duzdar: Wird es notfalls verlängert.

profil: Bei der Mindestsicherung für Asylberechtigte gibt es einen föderalen Fleckerlteppich. Zerfällt auch das Integrationspaket in neun Teile?

Duzdar: Es gibt viele Konsenspunkte mit der Österreichischen Volkspartei (ÖVP). Aber ein Zwangsjob für alle Arbeitslosen ist für mich eine klare rote Linie.

Das Interview führte Clemens Neuhold.