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Muna Duzdar: "Politische Diskussion sollte eher inspirierend sein" (in: "Madonna")

Madonna: Wie war der Tag, an dem Sie plötzlich Staatssekretärin geworden sind?

Muna Duzdar: Am Sonntag kam ein kurzer Anruf von Christian Kern, am Montag haben wir uns getroffen und am Dienstag ist es beschlossen worden. Ich war mein ganzes Leben schon ein politischer Mensch, Politik ist meine Leidenschaft, und deshalb habe ich auch so schnell zugesagt. Ich dachte mir, so kann ich noch mehr tun, noch mehr gestalten, noch mehr bewirken.

Madonna: Wen haben Sie nach Ihrer Entscheidung sofort angerufen?

Duzdar: Ich habe meine Brüder angerufen.

Madonna: Sie rückten ins Rampenlicht, als Sie Werner Faymann via Facebook kritisierten …

Duzdar: Ich habe meine politische Meinung geäußert, warum sollte ich auch damit hinter dem Berg halten? Das ist ja auch das Schöne in der Politik: die Auseinandersetzung, die Diskussion, das ist nichts Negatives. Das sollte eher inspirierend sein.

Madonna: Warum haben Sie mit Werner Faymann nicht persönlich gesprochen? Warum öffentlich?

Duzdar: Ich möchte jetzt keine Vergangenheitsbewältigung machen. Ich würde es auch nicht fair gegenüber den anderen Personen finden.

Madonna: Sie sind eine der wenigen Frauen in der Regierung. Eine Herausforderung?

Duzdar: Wir haben noch einen langen Weg vor uns. Viele denken, wir sind jetzt eh alle gleichberechtigt und im gesetzlichen Bereich ist es sicher so. Aber es gibt immer noch eine sehr starke, traditionelle Rollenverteilung. Wir sind jedoch auf einem guten Weg, wenn man vergleicht, wie viele Frauen vor 30 Jahren in der Politik waren. Die Politik war schon immer ein sehr männlich dominiertes Feld, und das gilt es, jetzt aufzubrechen. Deshalb waren wir ja auch immer für eine Quote. Kein Mann wird freiwillig sein Mandat für eine Frau aufgeben.

Madonna: Frau und Muslimin. Sie sind das erste muslimische Regierungsmitglied Österreichs …

Duzdar: Das ist natürlich ein Teil meiner Identität, aber nur ein Teil. Die Persönlichkeit eines Menschen besteht aus mehreren Teilen. Ja, ich komme aus einer muslimischen Familie, bin aber keine praktizierende Muslima.

Madonna: Sie haben Heinz-Christian Strache verklagt …

Duzdar: Weil er mich öffentlich in Verbindung mit einer "islamistischen Terroristin" gebracht hat. Das stimmt natürlich nicht. Deswegen habe ich ihn auf Unterlassung geklagt.

Madonna: Sie haben Außenminister Sebastian Kurz kritisiert …

Duzdar: Er ist für Integration zuständig und ich für die Diversität. Ich sehe mich als Ergänzung. Wir arbeiten jetzt gemeinsam und man muss sich finden. Ich glaube, dass es wichtig ist, für die Zukunft noch mehr zu tun.

Madonna: Minister Kurz hat eine australische Lösung vorgeschlagen, die Sie strikt ablehnen …

Duzdar: Ich halte überhaupt nichts von einer australischen Lösung. Außerdem: Wir kämpfen eh schon Jahre darum, nicht mit Australien verwechselt zu werden. No kangaroos in Austria. Aber wir arbeiten im Bereich Integration gut zusammen und haben gerade erst gemeinsam ein Paket dazu vorgestellt.

Madonna: Leidet Ihr Privatleben unter Ihrem Job?

Duzdar: Das Privatleben gerät in so einer Situation natürlich ein bisschen in den Hintergrund. Auch weil mir als Politikerin wichtig ist, draußen zu sein. Meine Wochenenden sind oft mit Terminen besetzt.

Madonna: Sie haben in der Flüchtlingskrise selber mit angepackt?

Duzdar: Das habe ich aber schon immer gemacht. In der Flüchtlingskrise fiel es nur allen auf. Ich konnte sehr effizient helfen, weil ich arabisch spreche. An dem ersten Samstag, an dem 10 000 Menschen ankamen, stand ich insgesamt 17 Stunden am Bahnhof. Es war sehr bewegend.

Das Interview führte Chefredakteurin Dora Varro.