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Muna Duzdar: "Integration fällt nicht vom Himmel"

Die Staatssekretärin im Interview in "Madonna"

Madonna: Über kaum einen Punkt im neuen Regierungsprogramm wird so viel gesprochen, wie über das Burkaverbot...

Muna Duzdar: Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich gegen Burka und Nikab bin. Das ist für mich ein Ausdruck von fundamentalistischer Auslegung einer Religion. Trotzdem habe ich immer gesagt, dass so sein Verbot Schwierigkeiten mit sich bringt. Aber hier ging es eben um eine Einigung – das ist ein Geben und Nehmen. Ich habe mich dafür mit Integrationsmaßnahmen durchgesetzt.

Madonna: Stört es Sie, dass Sie einen Punkt mitbeschlossen haben, über den Frauke Petry twittert: "Österreich, du hast es gut"?

Duzdar: Wenn sich Frau Petry das Integrationspaket als solches angesehen hätte, bin ich mir nicht sicher, ob sie ähnlich reagiert hätte. Manchmal muss man hinter die Überschriften blicken. Denn neben den symbolischen Maßnahmen, über die sie sich freut, gibt es auch eine Vielzahl von Integrationsmaßnahmen, die wichtige Verbesserungen für Asylberechtigte enthalten.

Madonna: Sie haben vorgeschlagen, auch die Kreuze aus den Klassenzimmern zu entfernen...

Duzdar: Das Kreuz aus den Klassen zu entfernen stand nie zur Debatte. Es ging immer um Bekleidungsvorschriften für Polizistinnen, Richterinnen und Staatsanwältinnen. Deshalb habe ich diese Aufregung nicht verstanden.

Madonna: Noch gibt es keine Richterinnen und Polizistinnen mit Kopftuch. Fürchten Sie aber, dass das Kopftuchverbot künftig Frauen daran hindern könnte, diesen Beruf zu ergreifen.

Duzdar: Das glaube ich nicht, denn es gibt bereits heute Kleidungsvorschriften für diese Berufsgruppen.

Madonna: Sie mussten beim Integrationspaket Punkte hinnehmen, die Ihnen nicht behagen, haben dafür aber das Integrationsjahr durchgebracht...

Duzdar: Seit Sommer 2015 sind viele Tausend Menschen in unser Land gekommen. Ich habe immer gesagt: Es ist wichtig, dass wir Integrationsmaßnahmen schaffen, damit diese Leute rasch Zugang in unsere Gesellschaft finden und nicht auf Unterstützung angewiesen sind. Integration ist halt nichts, was vom Himmel fällt. Das muss man planen, da braucht es ein Konzept und genau das ist dieses Integrationsjahr.

Madonna: Hat bis jetzt ein Plan gefehlt?

Duzdar: Das Problem war bislang, dass jemand etwa monatelang auf einen Deutschkurs warten musste. Nachdem er endlich einen bekommen hat, musste er auf den nächsten noch einmal so lange warten - in der Zwischenzeit hat er alles vergessen. Das war kein effizientes System. Zudem durften Asylwerber bisher fast gar nichts tun. Das hat dazu geführt, dass wir viele junge Menschen haben, die einfach herumsitzen und keine Aufgabe haben. Das ist frustrierend und dadurch entstehen auch Probleme. Mit dem neuen Gesetz können diese Leute Erfahrung sammeln und Fuß am Arbeitsmarkt fassen. Für mich ist das ein Meilenstein.

Madonna: Sie selbst haben auch einen Migrationshintergrund. Haben Sie dadurch ein anderes Verständnis für ihre jetzige Aufgabe?

Duzdar: Natürlich nimmt man da als Kind wahr, dass man ein bisschen anders ist. Im Laufe meines Lebens habe ich es geschafft, dass es für mein Umfeld keine Rolle mehr spielt, welche Herkunft und welchen religiösen Hintergrund ich habe. So muss es sein, der Charakter des Menschen soll im Vordergrund stehen.

Madonna: Nicht jeder junge Mensch hat so viel Selbstbewusstsein...

Duzdar: Wenn man mit zwei Kulturen aufwächst oder eine andere Kultur mitbringt, ist das ja eine Bereicherung. Das Schöne ist, dass ich beides in mir vereine. Es stärkt mich als Person, dass ich zwei Sprachen spreche und Zugänge zu unterschiedlichen Welten habe. So sollten es die jungen Flüchtlinge, die hierherkommen, auch sehen. Sie können diese zwei Welten verbinden, diese Brücke ist etwas Schönes.

Madonna: Also gegenseitiges Bereichern, statt bloßes Anpassen?

Duzdar: Es ist ja im Interesse der Leute, dass sie schnell die Sprache lernen. Wie sollen sie sonst erfolgreich sein im neuen Land, wie die kulturellen Gepflogenheiten verstehen? Da bin ich sehr streng, was das betrifft. Ich war ja auch immer sehr streng zu mir selbst.

Madonna: Hatten Sie in der Vergangenheit mit Vorurteilen zu kämpfen?

Duzdar: Das habe ich nicht so wahrgenommen. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass ich mich mehr anstrengen musste in der Schule, weil mir meine Eltern nicht so helfen konnten, wie österreichische Eltern ihren Kindern. Das war aber nicht so schlecht in meinem Leben, dass ich mich mehr anstrengen musste. Sonst wäre ich heute nicht da, wo ich bin.