Inhalt

Thomas Drozda: "Mehr Geld ist unbedingt nötig" (in: "news")

news: Die Erhöhung des Kulturbudgets wird allmählich zur Existenzfrage. Haben Sie beim Kanzler entsprechende Garantien eingeholt, als Sie zusagten?

Thomas Drozda: Wir haben über die finanzielle Ausstattung gesprochen, und es ist ihm klar, dass eine seriöse Finanzierungsgrundlage unbedingt notwendig ist. Ich rechne mit einer moderaten Erhöhung. Als Regierungskoordinator ist meine Position im Interesse der Kunst nicht schlecht.

news: Wie gefällt Ihnen denn der ORF unter Alexander Wrabetz?

Drozda: Die Information funktioniert, ORF III ist eine Erfolgsgeschichte, Direktorin Zechner ist mit den Eigenproduktionen etwas gelungen. Der Weg stimmt, das Unternehmen steht gut da.

news: Spricht etwas gegen den Verbleib von Wrabetz?

Drozda: Gar nichts. Aber es gibt eine Ausschreibung, man wird sehen, wer sich bewirbt. Qualifiziert ist erfahrungsgemäß nur eine Handvoll Leute.

news: Hat der frühere RTL-Chef Zeiler das Versprechen, ORF-General zu werden?

Drozda: Von mir nicht.

news: Käme er infrage?

Drozda: Natürlich. Er ist einer der erfolgreichsten Medienmanager Europas.

news: Sie waren bis 2008 kaufmännischer Direktor des Burgtheaters und haben eng mit Silvia Stantejsky zusammengearbeitet, die jetzt bald vor Gericht steht. Könnten Sie in den Sog der Burgtheater-Affäre geraten?

Drozda: Ich warte mit entspanntem Interesse auf den Rechnungshofbericht. Entspannt deshalb, weil ich ein finanziell gut aufgestelltes Theater übergeben habe und vom Rechnungshof jetzt nicht einmal angefragt wurde. Ich schließe aus, dass sich etwas für mich Problematisches ergeben könnte.

news: Gilt das auch für den damaligen Direktor Bachler und seine Stellvertreterin Bergmann, die das Haus jetzt leitet?

Drozda: Da bin ich sicher, wobei ich allerdings für 2008/09 nicht sprechen kann, weil ich da schon weg war. Ich möchte lieber keine Mutmaßungen anstellen.

news: Die Entscheidung über den Verbleib von Staatsoperndirektor Dominique Meyer steht bevor. Gefällt Ihnen das eher konservativ geführte Haus? Und wie wichtig ist Innovation für die Oper?

Drozda: Ich habe dort zu wenig gesehen, um die erste Frage zu beantworten. Grundsätzlich halte ich Innovation für außergewöhnlich wichtig und glaube, dass Musiktheater in ebensolchem Maß aus Theater wie aus Musik bestehen muss.

news: Spricht etwas gegen Meyers Verbleib?

Drozda: Diese Frage möchte ich nicht beantworten, denn ich würde damit der Kommissionsentscheidung vorgreifen.

Interview wurde geführt von Heinz Sichrovsky