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Thomas Drozda: "Zentrales Archiv notwendig"

Der Bundesminister im Interview mit "APA – Austria Presse Agentur"

Die Diskussion über den zukünftigen Umgang mit den fotografischen Sammlungen des Bundes und ein mögliches eigenes Fotomuseum hat Kulturminister Thomas Drozda vor kurzem selbst eröffnet mit der Ankündigung, Experten bis zum Herbst die Situation prüfen zu lassen. Klar für ihn ist dabei schon jetzt: Der archivarische Istzustand ist derzeit untragbar.

APA: Peter Coeln ist an Sie mit dem Angebot herangetreten, dem Bund seine Fotosammlung zu überlassen, wenn dieser ein eigenes Museum für Fotografie errichtet. Sie haben vor kurzem selbst die Idee einer eigenständigen Fotoinstitution ins Spiel gebracht. Das klingt nach einer Win-Win-Situation. Woran spießt es sich?

Thomas Drozda: Das Thema hat noch eine größere Breite, nämlich die Frage, wie wir mit einer der wichtigsten Kunstformen des 20. und 21. Jahrhunderts umgehen. Daran schließt sich auch die Frage an, wie man mit der Fotosammlung des Bundes umgeht. Da finde ich die Idee eines zentralen Archivs richtig und notwendig – denn wenn man sich ansieht, wie die Bestände bisher teilweise gelagert wurden, ist das eher beschämend und nicht professionell. Ich habe deshalb Sektionschef Jürgen Meindl beauftragt, sich die unterschiedlichen Optionen anzusehen: eigenes Museum, Dezentralisierung oder eine Stiftungslösung.

APA: Was ist nach jetzigem Stand Ihre Präferenz?

Drozda: Ich habe da noch keine abschließende Meinung. Beim Weißbuch für die Bundesmuseen habe ich die Erfahrung gemacht, dass es zielführend ist, die Dinge mit Expertinnen und Experten zu reflektieren. Wenn das Ergebnis dann sein sollte, dass der Status quo ohnehin der ideale ist, soll mir das recht auch sein. Aber ich denke, dass man sich das nochmal ansehen sollte.

APA: Sie würden nicht ausschließen, dass die Bundesbestände in einer neuen Institution aufgehen?

Drozda: Ich schließe nichts aus. Wir schauen uns an, was die bestmögliche Variante für Archivierung, Sammlung und Präsentation ist. Wo und wie man das am besten macht, wird sich herausstellen. Am Ende bin ich dafür, dass sich die besten Konzepte durchsetzen und nicht die lautesten Rufer.

APA: Was war für Sie der konkrete Anlassfall, die Diskussion zum jetzigen Zeitpunkt anzustoßen? Das Angebot von Peter Coeln?

Drozda: In erster Linie der Umstand, wie die Bestände derzeit gelagert werden. Und dass man mit wichtigen Kunstwerken so umgeht, hatte ich nicht erwartet. Insofern bin ich mit den Schockwellen, die mein Vorschlag ausgelöst hat, zufrieden.

APA: Die Diskussion wird dabei rein auf Expertenebene hinter verschlossenen Türen geführt?

Drozda: Nein. Als nächster Schritt wird es am 2. August im Kulturministerium eine öffentliche Diskussion mit nationalen und internationalen Experten geben, die die Sache ergebnisoffen diskutieren. Da sind unter anderem Thomas Seelig, der Direktor des Fotomuseums Winterthur, Ingo Taubhorn von den Hamburger Deichtorhallen oder Christiane Kuhlmann vom Museum der Moderne in Salzburg dabei.

APA: Sie selbst hatten von einer Entscheidung nach dem Sommer gesprochen. Das bedeutet, Sie planen konkrete Schritte noch vor der Nationalratswahl?

Drozda: Das sind Überlegungen für ein neues Regierungsübereinkommen.

Das Interview führte Martin Fichter-Wöß/APA